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Persönlichkeit, die Umgebung und die Lebensweise dieses rafft»nirtesten Egoisten, der jemals existirt hat.
Suchen wir nach einer Parallele, um die Erscheinung desabsoluten „Sonnenkönigs"*) zu charakterisiren, so drängt sichuns unwillkürlich ein Vergleich mit dem Papstthum auf, wie essich etwa in den Jahrzehnten vor der Reformation darstellt.Es ist der unfehlbare Staatspapst, der sich uns inLudwig XIV. präsentirt.
Wie der römische Universalmonarch, ein Jnnocenz VHI.,ein Alexander VI., ein Leo X. in seinem Vatikan oder seinenLustschlössern saß, von seinen Nepoten, Günstlingen und Kardi»nälen umgeben, in Sinnenlust schwelgend, die Heerde der Gläu-bigen mittelst des kirchlichen Verwaltungsapparats regierend undvon ihren beständig zufließenden Opfern ein üppiges Genußlebenführend — so macht Ludwig XIV. seine kostbare Person zumangebeteten Mittelpunkt eines Kreises von Maitressen, Bastardenund Höflingen, die ihm die von seinen Ministern dem Volkeabgepreßten Schätze verprassen helfen.
Die Hälfte der Abgaben für die „Herren Soldaten"**),diese unentbehrliche Stütze des Systems, und die andere Hälftefür den König und seinen Hof — so etwa stellte sich dasfranzösische Budget in jenen Tagen dar. Was den Päpstendie Gaben der Gläubigen, der Handel mit den Kirchenämtern,die Ablässe und Jubiläen u. s. w. einbrachten, das wußte Ludwigmit Gewalt zu nehmen. Das Kennzeichen des brutalen Zwangescharakterisirt sein Staats-Papstthum, das sich wie ein Ablegerdes kirchlichen Papstthums ausnimmt und thatsächlich auch aufdemselben historischen Grunde erwachsen ist. Der „allerchrist»
*) Roi 8oIeiI, König Sonne, ließ Ludwig sich mit Vorliebenennen. In den allegorischen Darstellungen, mit denen die feilenKünstler, Dichter rc. jener Zeit ihn feiern, wird er häufig mit denAttributen des Sonnengottes dargestellt.
**) So wurden die Soldaten Ludwig? selbst von ihren Bor-geseplcn angeredet. Louvois ließ nicht zu, daß dieselben beschimpfturd gemißhandelt wurden.