Zehn Jahre lang blieb Frau von Montespan Maitreffedes Königs. Durch ihr heftiges, leidenschaftliches Wesenbereitete sie dem allerchristlichsten Herrscher manche trübenStunden, doch wußte sie ihn immer wieder an sich zu fesseln.Nicht weniger als acht Kinder schenkte sie ihm in zehn Jahren:den Herzog Maine, den Grafen von Vexin, der mit zehnJahren als Abbö von St. Denis starb, die Mademoiselle vonNantes, vermählte Herzogin von Bourbon, die jung ver-storbene Mademoiselle vonTours, die Herzogin vonOrleans,den Grafen von Toulouse und zwei Kinder, die imSäuglingsalter starben. Die meisten dieser Kinder waren nachdem Urtheil der Prinzessin Charlotte Elisabeth von Orleans„lahm, schief oder hinkend".
Einem Fräulein von Fontanges war es vorbehalten,die allmächtige Montespan aus ihrer vielbeneideten Stellungzu verdrängen. Diese ebenso schöne wie beschränkte undphantastische Person, die in der kurzen Zeit ihrer Herrschaftden Konig ganz ungeheure Summen kostete, starb an denFolgen einer Entbindung. Nach ihrem Tode glaubte dieMontespan wieder ihre einstmalige Stellung an der Seite desKönigs einnehmen zu können, allein schon hatte eine Anderesich seiner Person bemächtigt: die Wittwe FranziskaScarron, geborene d'Aubignö, die später den Nameneiner Frau von Maintenon annahm und in den letztenfünfunddreißig Jahren den König vollständig am Schürzen-band lenkte. Auf diese Persönlichkeit, deren Wirksamkeit nichtnur in dem privaten Leben Ludwigs, sondern auch in seinerPolitik eine verhängnißvolle Rolle spielte, werden wir ananderer Stelle noch zurückkommen.
Die ihrer Würde entsetzte Montespan wollte, gleich derLa Valliöre, im Kloster Trost suchen, doch vermochte ihr ver-letzter Ehrgeiz in den stillen Mauern desselben keine Ruhe zufinden. Endlich beschwichtigte sie Ludwig durch eine Pensionvon 1000 Louisd'ors monatlich — „und so kostete denn",sagt ein zeitgenössischer Schriftsteller, „diese Maitresse Frankreich