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zu verschiedenen Malen in ihrem abenteuerlichen Leben nahe-getreten.
Seiner Gemahlin Maria Theresia, einer einfältigenund bigotten Spanierin, wurde Ludwig sehr bald überdrüssig.Von den sechs Kindern, die sie ihm gebar, blieb nur eineinziges, der Dauphin Ludwig, am Leben. Der Herzogvon Orleans, des Königs einziger Bruder, war mit einerPrinzessin Henriette von England vermählt, und diese Dame,die gegen ihren, einem widernatürlichen Laster ergebenen GattenAbscheu empfand, machte den König zuerst seiner Gemahlin ab-wendig.
Bald wandte Ludwig seine Aufmerksamkeit einer HofdameHenriettens, dem Fräulein La Balliere zu, und sie war eszunächst, die den König durch eine Reihe von Jahren zu fesselnwußte. Sie schenkte ihm zwei Söhne, von denen der eine alsKind und der andere, Graf von Vermandois, im Jünglings-alter starb, und eine Tochter, genannt Marie Anne deBlois, die später mit dem Prinzen von Conti vermähltwurde. Die La Balliere, eine sentimentale, schwärmerischveranlagte Person, ging, als der König sich 1668 von ihrabwandte, in ein Carmeliterinnen-Kloster. Ihrer Einkleidungwohnte der ganze Hof bei, und die Königin selbst reichte ihrden Schleier. Sie führte im Kloster, ihrem ungetreuen An-beter zu Ehren, den Namen Ludovika „von der ErbarmungGottes" und starb nach 36 Jahren im Geruch großerFrömmigkeit.
Nachfolgerin der La Balliere in der Gunst des Königswurde Frau von Montespan, eine Dame aus vornehmemGeschlechte, die als Palastdame im Hofdienste stand und durchgeschickte Intriguen die Aufmerksamkeit des Königs zu ge-winnen wußte. Der legitime Gatte dieser Dame, ein heftiger,dem Spiele stark ergebener Herr, nahm die seiner Gattinwiderfahrene Ehre ziemlich übel auf und prügelte die Treulose;er wurde jedoch ob dieser Keckheit aus Paris verwiesen und