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am Hofe. Allein die Bauivuth Ludwigs kostete dem Lande un-gezählte Millionen. Zu Versailles, zu Trianon, zuSt. Germain, zu Marly, Clagny, Meudon wurdengleichzeitig Paläste für den König, seine Prinzen und Maitressenerrichtet! Versailles allein kostete, nach heutigem Gelde, gegeneine Milliarde Franken. In einem einzigen Jahre (1685) ver-brauchte Ludwig für seine Bauten nicht weniger als, nachheutigem Gelde, 90 Millionen Franken. Als Colbert eineallerunterthänigste Einwendung gegen diese grenzenlose Ver-schwendung wagte, erwiderte ihm der König: „Die Höhe derAusgaben thut mir sehr leid, aber sie sind alle nothwendig."Und das geschah in demselben Jahre, da das Volk der Dauphinssich von Wiesengras und Baumrinde nährte!
Furchtbare Menschenopfer kosteten nebenbei noch oieswahnsinnigen Bauten. Der König liebte es, sumpfige, ungesundeGegenden für die Errichtung seiner Lustschlösser auszuwählen— es schmeichelte seinem bornirten Ehrgeiz, die von Naturstiefmütterlich bedachten Orte durch seine königliche Huld zuverschönern und somit gewissermaßen über der Natur zu stehen.Die Arbeiter starben bei der Austrocknung der Sümpfe undder Anlage der Gärten und Wasserkünste wie die Fliegen.Don 30 000 Soldaten, die den Eurcfluß nach Versailles ab-leiten sollten, starben drei Viertel an ansteckenden Krankheiten,und die Anlage, die ungeheure Summen verschlungen hatte,blieb trotzdem unausgeführt.
Eine üppige, prahlerische, aufdringliche Pracht herrschtein den Bauten Ludwigs. Alles ist auf seine Person zuge-schnitten — aus die große, gefräßige Spinne, die in derMitte des Netzes sitzt. Die Gemälde stellen Ludwig dar, dieSculpturen, ob sie Herkules, Mars, Alexander der Großeheißen, sind immer wieder Verhimmelungen Ludwigs. Diegriechischen Göttinnen sind seine Maitressen. In der Umgebungder Schlößer sieht man nichts, als Minister, Höflinge, Beamte,Diener, Arbeiter — Zehutansende von Menschen, die nur umdieses einen unersättlichen Jndividiums willen da sind.