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Ludwig, welcher merkte, daß die Trauben des KriegSruhmessauer zu werden begannen, überließ die Führung nunmehr seinenGenerälen und begab sich nach Samt-Germain, um sich vonseinen Höflingen und Maitressen als glänzender Kriegsheld be-wundern und von feilen Dichterlingen ansingen zu lassen. Deräußere Schein war eben das Leitmotiv bei allen Handlungendieses gekrönten Gecken.
Molochsopfer. Der erste Coalitionskrieg
(1672—1679). Sieben Jahre lang erfüllte nun wilderWaffenlärm den gesummten Erdtheil, der sammt den angrenzendenMeeren in einen einzigen Kriegsschauplatz verwandelt schien.Holland, Spanien, das deutsche Reich und Dänemark standenFrankreich gegenüber, das sich plötzlich aus dem Angriff in dieVertheidigung gedrängt sah. Aber rastlos arbeiteten die Diplo-maten Ludwigs seinen Heerführern in die Hände: Karl vonEngland, der gekrönte Lump, wurde durch reiche Bestechungenim Schlepptau Frankreichs festgehalten, Schweden ward zumEinfall in die norddeutsche Tiefebene bewogen, Ungarn undPolen gegen Oesterreich mobil gemacht und Sizilien zum Abfallvon Spanien gereizt. Jedes Jahr von neuem begann diesersinnlose Cabinetskrieg, der den eitlen Launen eines Despotenseine Entstehung verdankte, der ein Land nach dem andern ver-wüstete und insbesondere den Anwohnern des Rheins die furcht-barsten Verluste zufügte.
Mit schamloser Offenheit gab sich der Militarismus jenerTage in seiner ganzen nackten Brutalität. Das Märchen vonder „humanen Kriegsführung", mit dem man heut Gnnpel zufangen sucht, war damals noch nicht erfunden. Auf Ludwigsausdrücklichen Befehl wurden die von den Franzosen besetztenGebiete systematisch verheert und die Bevölkerung bis aufs Hemdausgeplündert. Selbst ein Colbert war entsetzt über diese grausigeArt der Kriegsführnng und machte dem Könige Vorhaltungenwegen verselbsn. Allein Ludwig folgte lieber den rachsüchtigenRathschlägen des Mitmenschen Louvois, der ihm einredete, daßes nothwendig sei, die besetzten Länder „zu verzehren".