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Im Jahre 1680, nach dem Frieden von Nymwegen, be-trug das Defizit im Neichshaushalt nicht weniger als 123 MillionenFranken, bei einer nominellen Steuerlast von etwa 600 MillionenFranken, die jedoch, in Folge der Erpressungen der Steuerpächter,weit über eine Milliarde (nach heutigem Gelde) betrug. Dabeiwaren die oberen Klassen der Bevölkerung, die damals kaumdie Hälfte der heutigen Einwohnerzahl des Landes betrug, vonallen Steuern befreit, und zu den Abgaben, die der König er-preßte, kamen noch die kirchlichen Steuern, die Einquartierungs-kosten und die ländlichen Frohndienste, die mit furchtbarem Druckauf den Bauern lasteten.
Das während des Krieges auf 300,000 Mann ange-schwollene Heer Ludwigs wurde zwar auf weniger als die Hälftevermindert, doch wurden die „Cadres" für den Kriegsfall aufrechterhalten, das heißt eine Unmenge von überzähligen Offizierenbesoldet, die es ermöglichten, die Armee erforderlichen Falls so-fort auf die dreifache Stärke zu bringen. Der kaum beendeteKrieg hatte zu den mannigfaltigsten Verwickelungen den Grundgelegt, jeden Augenblick konnte die Kriegsfurie die gereiztenMachthaber wieder an einander bringen. Louvois der brutaleBlut- und Eiscnmensch, der Vater des bourbonischen Militarismus,war allmächtig. Wir sehen den „absoluten" König, der an-fänglich sein ebener Kanzler sein wollte, jedoch immer mehr undmehr in dem verweichlichenden Sumpfe von Versailles verkam,vollkommen in seinen Händen. In diesem übermüthigen, rohenGewaltmenschen hatte der Völkermordende Militarismus sich einWerkzeug geschaffen, wie es in solcher „Vortrefflichkett" nichtoft in demselben Jahrhundert sich wiederfindet.
Es währte nicht lange, so schaute Louvois nach neuer„Arbeit" für die von ihm geschaffene Armee aus. Kaum zweiJahre nach dem Frieden von Nymwegen sehen wir französischeHeere in Italien, in Belgien, auf deutschem Reichsgebiet vor-dringen. Unter dem ersten besten Vorwand werden einzelneStädte und ganze Gebiete besetzt.
Ucberall arbeitet französisches Gold dem französischen Schwerte