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vor: Straßburg fällt, dank der Feigheit und Bestechlichkeitseiner Geldsackpatrizier, ohne Schwertsteich; in Oberitalien wirddie Festung Casale besetzt, Luxemburg wird eingenommen,Genua bombardirt und die Pfalz angegriffen.
Eine rasffnirte Handhabe für ihre Annexionswuth hattenLudwig und Louvois in den sogenannten Reunionskammerngefunden, mittelst deren sie alle Gebiete an sich zu reißen ge-dachten, die jemals zu den im Frieden von Nymwegen anFrankreich gefallenen Bezirken in Abhängigkeit gestandenhatten. Unter den deutschen Reichsfürsten fand sich so manchergefällige Freund, der gegen Geld und gute Worte die Pläneder beiden Landräuber förderte. Die geistlichen Kurfürsten vonTrier, Mainz und Köln standen in französischem Solde, undFriedrich Wilhelm, der „große" brandenburgische Kurfürst,hatte an den französischen Goldfüchsen gleichfalls Geschmack ge-funden. Er weigerte sich lange Zeit, dem Aufgebot des Kaisersgegen Ludwig Folge zu leisten. In der Türkei, in Polen,Ungarn, Rußland bohrten und wühlten französische Sendlinge— alles wurde vorbereitet zu einem neuen verheerenden Kriegs-brande, der denn in der That im Jahre 1686 ausbrach undzwölf Jahre lang Europa den furchtbarsten Verheerungen aussetzte.
Der zweite C»atiti»nskries (1686 bis 9V).Nene Motochsopfer. Endlich war ein neuer Vertheidi-guugsbund gegen Ludwig zusammengekommen: der Kaiser nebsteiner Anzahl von Reichsfürsten (darunter auch der Branden-burger, der sich inzwischen „umbesonnen" hatte) sowie das inseinen niederländischen Besitzungen hart bedrohte Spanien schloffendie sogenannte „zweite" Coalition. Nach und nach tratenauch Schweden, Holland, England, Savoyen dem Bündniß bei,selbst der Papst sendet Subsidien zur Bekämpfung des „aller-christlichsten" Königs, und zu guter Letzt sehen wir auch daskleine Dänemark noch auf der Wahlstatt erscheinen.
Wiederum begann ein gegenseitiges Balgen und Würgen,in dem bald die eine, bald die andere der kämpfenden Parteien dieOberhand gewinnt. Nicht weniger als sechs Armeen hat Ludwig