29
heiten der Natur und die Verzerrungen der Menschen zu-gleich abzuhärten. Vergeblich^stellte der Rittmeister Ernesti-nen vor: „so verzog' ihm ja die Schwiegermutter den Sol-daten zu einer Schlashaube und man sollte nur warten,„bis ein Mädchen käme." Er ließ auch wie mehre Männerden Unmuth über die Schwiegermutter ganz am Weibe aus.Aber die Alte hatte schon vor der Taufe einen himmlisch-schönen Jüngling aus Barby verschrieben. Der Rittmeisterkonnte wie alle kraftvolle Leute das Herrnhutische vimiuuomlonicht ausstehen; am meisten redete er darüber, daß sie sowenig redeten; sogar das war nicht nach seinem Sinne, daßdie Herrnhutischen Wirthe ihn nicht sowol überschnelltcn, alszu sehr überschnelltcn.
Allein der Genius — diesen schönen Namen soll ervorsetzt auf allen Blättern haben — lag nicht an jenen dasHerz einschraubenden Krämpfen des Herrnhutismus krankund er nahm blos das Sanfte und Einfache von ihm. Ue-ber seinem schwärmerischen trunknen Auge glättete sich eineruhvolle schuldlose Stirne, die das vierzigste Jahr eben sounrastricrt und ungerunzelt ließ, wie das vierzehnte. Er-trug ein Herz, welches Laster, wie Gifte Edelsteine, zer-brochen hätten; schon ein fremdes von Sünden durchackertcsoder angesäetes Gesicht beklemmte schwül seine Brust um-sein Innres erblaßte vor dastehenden Schmutzseelen, wie derSaphir au dem Finger eines Unkeuschen seinen Blauglanzverlieren soll.
Gleichwol mußte eine solche vieljährige Aufopferungfür ein Kind sogar auf eine so schöne Seele, wie des Herrn-huters, schwer und hart aufdrücken; aber er sagte: „o welche„himmlsiche Anlässe hab' er dazu, die er aber nur seinen:„Gustav, der gewiß mit Gottes Hülfe so aufblühe wie er„hoffe, künftig vertraue; und niemand solle sich doch übcr