Band 
[Erster Band. - Zweiter Band.]
Seite
31
JPEG-Download
 

31

Wäsche, der Betten und Speisen werden mir Frauenzimmeram liebsten erlassen; aber sie werden begieriger sein, wie derGenius erzog. Recht gut, sag' ich, er befahl nicht, sonderngewöhnte und erzählte blos. Er widersprach wedersich noch dem Kinde, ja er hatte das größte Arkanum ihngut zu machen — er war's selbst. Ohne dieses Arkanumkönnte man eben so gut den Teufel zum Informator dingenals sich selber, wie die Töchter schlimmer Mütter zeigen.Der Genius glaubte übrigens, beim ersten Sakramente (derTaufe) gehe die Bildung des Herzens an, beim zweiten(Abendmahl) die des Kopfes.

^Von guten Menschen hören ist so viel als unter ihnenleben und Plntarchs Biographiecn wirken tiefer als die bestenLehrbücher der Moralphilosophie zum Gebrauche — akade-mischer Lehrer. Für Kinder vollends giebt's keine andereSittenlehre als Beispiel, erzähltes oder sichtbares; und esist erzieherische Narrheit, daß man durch Gründe Kindernnicht diese Gründe, sondern den Willen und die Kraft zugeben meinet, diesen Gründen zu folgen. O tausendmalglücklicher als ich neben meinem Terzius und Konrektorlagst du Gustav auf dem Schooße, in den Armen und anden Lippen deines theuern Genius, wie eine trinkende Alpcn--blume an der rinnenden Wolke, und sogest Dein Herz anden Erzählungen von guten Menschen groß, die der Geniussämmtlich Gustave und Selige nennte, von denen wirbald sehen sollen, warum sie mit Schwabacher gedruckt sind!Da er gut zeichnete, so gab er ihm, wie Chodowiecky demRomanenmachcr, die Zeichnung jeder Geschichte und um-bauete den Kleinen mit diesem orliis pietus guter Menschenwie der allmächtige Genius uns mit der großen Natur.Aber er gab ihm die Zeichnung nie vor, sondern nach derBeschreibung, weil Kinder das Hören zum Sehen stärker' 5