56
sterbenden Freunde entgegen. Endlich wickelte sich oic schlum-mernde Stadt aus den Schatten heraus; ras stharnslickstdes Thürmers und einige weit aus einander gesäete Lichter,die wahrscheinlich die lange Nacht eines Kranken trübe undangeputzt abmaßen, fielen auf den Trauer-Grund seinesInnern.
Leite pochte er am Krankenhause, leise wurde aufge-macht, leise stieg er hinauf; blos die Uhr lärmte, wie einTranergelänte inS stumme ^rauerhans, mit ihren zwölfSchlägen, die er da so oft gehört. — Ach im Bett lirteine Gestalt, der man alles verzeihen will und die man nochein wenig zu lieben und zu erfreuen eilt, elst sie sich nickstmehr regt. Nicht das schmutzige eingedorrte Krankengesickst,nicht die von Fiebern weggebaizte Lebensfarbe, nicht dieRunzeln der Lippe waren es an Amandus (oder sind es anandern Kranken,) was Gustavs Herz und Hoffnungen zer-schnitt, sondern das schwer gedrehte, aufflackernde, wildeund doch ausgebrannte verglasete Krankenange, in dasalle Leiden der vorigen Nächte uns die Nähe der letzten soleserlich geschrieben waren.
Amandus streckte ihm seine Todtenhand weit herausentgegen, als ob es möglich wäre, daß jemand anders alser sich noch an die fremde schwarze Färber- oder Todtcn-hand erinnerte, die er ihm neulich gereicht. Für ihn wardie Wiedervereinigung süßer als für Gustav, der hinter ihrdie lange Trennung warten sah.
Der Morgen und die Freude hielten den Vorhang st>'nes Lebens ein wenig im Niederfallen auf. Gustav trat alsKrankenwärter an die Stelle der Krankcnwarterin, erstlichweil diese alles so gut und mit so vielen Umständen undRandnoten zu machen wußte, daß sie noch in seine letztenMinuten Galle schüttete, zweitens weil es ja in der Stunde,