keine mehr habe — wenn mir alle Jahrzciten immer kürzerund alle Nächte darin immer länger vorkommen, welches vorder Annäherung der längsten vorausgeht — wenn ich dannin den ersten Frühlingstagen ins stille Land hinausgehe, ummeinen kalten interpolierten Körper zu sonnen — wenn ichdann außen die klebenden treibenden Knospen sehe, unter de-nen ein ganzer Sommer steckt, und in mir innen das ewigeAbblättern und Umbeugen, das kein Erdenfrühling heilt —wenn ich mich dann doch an meine eigne Jugend erinnere,an meine Spazier-Galoppaden um Scheerau, an die in Pa-via und an die Leute, die mit mir gingen — wenn ich michdann natürlicher Weise nach denen umsehe, die mir vom ge-fallnen Tempel meiner Jugend noch als hohe Ruinen ste-hen geblieben — und wenn mich dann, weil ich mich um-drehe, um zu schauen, ob keiner aus Wäldern, über Wiesen,von Bergen an einem so schönen Tage zu mir gegangenkommt,, der Gedanke wie Herzklopfen anfällt, daß nach allenvier Welt-Ecken, wohin ich mich gedrehet, Gottesäcker undKirchen liegen, in denen die, die mich jetzo trösten und be-gleiten sollen, unter der undurchsichtigen Erdrinde und ihremBlumcnwerk mit geraden Armen versteckt und gefangen lie-gen, und daß blos ich allein außen geblieben und den Herbstin meiner Brust hier im Frühling herum trage: so werd' ichgar nicht ins stille Land gehen, sondern einsam nach Hauseund mich einschließen und meinen Kopf auf den Arm mitden Augen legen und wüiychen, daß mir das Herz breche, sogut wie meinen Bekannten; ich werde sagen, ich wollt', eswäre vorbei. Dann, geliebter Sohn, geliebter Freund, (derDu als der jüngste meiner Freunde mich schon überlebenwirst) wird Deine Gestalt vor meine satten müden Augenwenn, dann werde ich sie auswischen und mich an alles er-iunern und Deine Hand wird mich doch ins stille Land hin»
Schliessen