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Die vergangne Nacht führt noch meine Feder. Es istnämlich in Aucnthal wie an vielen Orten Sitte, daß in derletzten feierlichen Nacht des Jahrs auf dem Thurm ans Wald-hörnern gleichsam ein 'Nachhall der verklungnen Tage odereine Leichenmusik des umgesunknen Jahrs ertönt. Als ichmeinen guten Wuz nebst einigen Gehülfen in der unternStube einiges Geräusch und einige Probe-Töne machen hörte,stand ich auf und ging mit meiner längst wachen Schwesterans enge Fenster. In der stillen Nacht hörte man den Hin-austritt der Leute auf den Thurm. Ueber unserem Fenster lagjener Balken, unter dem man in prophetischen Nächten hin-aus horchen muß, um die Wolkcngestalten der Zukunft zusehen und zu hören. Und wahrhaftig, ich sah im eigentlichenSinn, was der Aberglaube sehen will — ich sah, wie er,Särge auf Dächern und Leichengesolge an der einen Thüre undHochzeitgäste und Brautkranz an der andern, und das Menschen-jahr zog durch das Dorf und hielt an seiner rechten Mutterbrustdie kleinen Freuden, die mit dem Menschen spielen, und an seinerlinken die Schmerzen, die ihn anbellen; er wollte beide näb-ren, aber sie fielen sterbend ab, und so oft ein Schmerz odereine Freude abwelkte, so oft schlug einer von den zwei Klöp-peln zum Zeichen an die Thurmglocken an. ... Ich sahnach dem weißen Wald hinüber, hinter welchem die Wohnun-gen meiner Freunde liegen. O junges Jahr, sagt' ich, zieb'zu meinen Freunden hin und leg' ihnen in ihre Arme dieFreuden aus Deinen und nimm die zurückgebliebnen zähenSchmerzen des alten mit, die nicht sterben wollen! Geh' inalle vier Weltstraßen und vertheile die Säuglinge Deiner rech-ten Brust und mir lasse nur einen — die Gesundheit! — —Die Töne des Thurms verströmten in die weite mond-lose Nacht hin, die ein großer niit Stcrnenblüten übersäekerWipfel war. Bist Du glücklich oder unglücklich, kleiner Schul-