164
zum Saugen von der Decke niederfuhren nnd aus deren Fa-brikaten er mit Mühe jährlich einen seidnen Strumpf er-zielte. . . . Alle diese Martern thu' ich mir selber an, blosdes LeferS wegen, der am meisten verlöre, wenn er michnicht zu lesen bekäme; aber es ist diesem harten Mensche»einerlei, was die ausstehen, die ihn ergötzen. — Hab' ichendlich meine Hand von diesen Nageln des Kreuzes losge-macht: so ekelt mich das Leben selber an als ein so elendesund langweiliges Ding von Monochord, daß jedem angstwerden muß, der's ausrechnet, wie oft er noch Athem ho-len und die Brust auf- und niederheben muß, bis sie er-starret, oder wie oft er sich bis zu seinem Tode noch aufden Stiefelknecht oder vor den Rasierspiegel werde hebenmuffen. — Ich betrachte oft die größte Armseligkeit im gan-zen Leben, welche die wäre, wenn einer alle in dasselbe zer-streuet umhergesäete Rasuren, Frisuren, Ankleidungen, svclo«hinter einander abthun müßte. — Der dunkelste Nachtge-danke, der sich über meine etwa noch grünenden Prospektelagert, ist der, daß der Tod in diesem nächtlichen Leben, wodas Dasein und die Freunde wie weit abgetheilte Lichter imfinstern Bergwerk gehen, mir meine theuren Geliebten ausden ohnmächtigen Händen ziehe und auf immer in verschüt-tete Särge einsperre, zu denen kein Sterblicher, sondem blosdie größte und unsichtbarste Hand den Schlüssel hat . . > -Hast Du. mir denn nicht schon so viel weggerissen? Würd'ich von Kummer oder von Eitelkeit des Lebens reden, wen»der bunte Jugend-Kreis noch nicht zerstückt, wenn das Far-benband der Freundschaft, das die Erde unv ihren Schmelznoch an den Menschen heftet, noch nicht von cinanver ge-sägt wäre bis aus ein oder zwei Fäden? — O Du, denich jetzo aus einer weiten Entfernung weinen höre, Du bistnicht unglücklich, an dessen Brust ein geliebtes Herz erkal-