203
eines großen, aber nicht glücklichen Menschen aus; der eineBerg glühte vom Flammenblick der Sonne, der andre ver-dunkelte sich unter der niederfallenden Nacht einer Wolke —
— drüben in der Abendgegend brauste im Himmel statt desVogelgesangs das himmlische Pedal, der Donner, undin Reihen von weißen Wassersäulen riß sich der wärmendeRegen vom Himmel los und füllte seine Blumenkelche undGipfel wieder, aus denen er gestiegen war — es war derSeele so feierlich als würde ein Thron für Gott errichtet»nd alles wartete, daß er darauf nieder stiege.
Gustav und Beata gingen, in den Himmel versunken,auf der Terrasse voraus; der Doktor, meine Schwester undich in einer kleinen Ferne hinter ihnen. Endlich platzten andem Laube der Allee einzelne Regentropfen, die aus demSaume der breiten Wetterwolke über uns flogen und fielen;
— so bestreift ein donnerndes, niederblitzendes Unglück derNachbarschaft die entlegnen Länder nur mit einigen Thränen,die aus dem Auge des Mitleids entwischen. — Wir stelltenu»s alle unter die nächsten Bäume. Gustav und Beata stau-ben seit vielen Monaten zum erstenmale wieder einsam nebeneinander, ohne Ohrenzeugen, obwol neben Augenzeugen.Sie waren gegen Abend gekehrt und schwiegen. Es gibtLagen, wo der Mensch sich zu groß fühlt, ein Gespräch her-on zu lenken, oder fein zu sein, oder Anspielungen zu ma-chen. Beide verstummten fort, bis Gustav in der heißestenSonnenwende seiner Empfindungen sich von der überschwemm-en Abendgegend umkehrte zu Beatens Augen hin — ihreLoben sich langsam und unverhüllt zu seinen auf und derNiund unter ihnen blieb ruhig und ihre Seele war bei nie-mand als bei Gott und der Tugend.
Die Wolke war verronnen und verzogen. Der DoktorLatte heim zu eilen. Niemand konnte aus seinem genießenden