Band 
[Fünf und zwanzigster Band. - Sechs und zwanzigster Band.]
Seite
18
JPEG-Download
 

18

vor dem noch in manche Nohheit *) und zünftige Unbeweg-lichkeit eingesunkenen Deutschen, dieß holet der Deutsche imMittel- und Gelehrtenstand wieder ein durch die Weltseitig-keit und Tiefe seiner Biloung. Sind wir in der Literaturund Rechtlichkeit Kameen und in der Politik und Lebens-Gewandtheit Gemmen — so wie umgekehrt die Franzosenin dieser Edelsteine mit erhabnen Figuren — so weiß ichnicht, ob das Naherbringen entgegengesetzter Vorzüge nichtzur Erhebung und Vereinigung derselben wirke.

VI.

Politische Freiheit.

Weniger über die'politische als über die Religionsfrei-heit können wir am gewissesten sein. Die Verstandes-Kraftder Zeit, die Gewalt und der Glanz großer Beispiele undGesetze, ganz mit Licht bedeckte Länder und selber der Man-gel an Religions-Feuer sagen dem Religions-Lichte die alteFortbreitung zu; löscht heute den Firsternhiinmel aus, erleuchtet noch viele Jahre in unsere Nächte hinein, blos weilsein Licht schon so lange unterwegs ist.

Hingegen die politische Freiheit? Die Gewaltkann höchstens die Enkel zu Blinden machen, aber schondie Väter zu Knechten, und, wie bei den zum ErschießenVerurtheilten, zielen zwei Kugeln auf die Brust und nureine auf den Kopf. — Aber verwechselt hier die Besorgniß

*) Gleichsam allegorisch waren im Krönungsanzug des deut-sche» Kaisers alle Diamanten ungeschliffen.