Band 
[Ein und dreissigster Band. - Zwei und dreissigster Band.]
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Da weinte der schlafende Engel.

Da lachte die wache Gestalt; und sie sagte: „Träumedich nur weiter, mein guter Geist der Zeit." Und der Engelfast nun alle die Unglücklichen, die er gemacht — die ver-welkten Reizgestalten, welche mit leeren Augenhöhlen vorüber-gingen und nichts in den Höhlen hatten, als Thränen stattder Augen — tausend gebückte kleine Waisen, welche suchtenund riefen: „Eltern, Eltern! wo lebt ihr auf der weitenErde?" und Selbstmörderinnen und Kindermörderinnen gin-gen Hand in Haud und schauten nach einer Hügelkette vonHochgerichten hin — und er sah, wie er in der Ferne un-aufhörlich ein Armesünderglöckchen läutete und dabei lachte;aber als abgerissene Kinderköpfchen und enthauptete Mutter-häupter auf ihn zuzurollen anfingen, erwachte er im Entsetzenund weinend über das Weh.

Kaum hatt' er die Augen geöffnet, so fuhr die böse Ge-stalt in ihn, um sich darin zu verbergen. Jetzo erblickte ermich, und er sah mich streng an als einen Fremdling desParadieses; sein Blick war heiß und hart und der schmerzhafteTraum hatte schon sein mildes Eden getrübt. „Sohn Adams,sagte er, du bist nicht unser Einer, du kannst nicht im rei-nen Paradiese bleibe»; bestrafe dich und fliehe von mir; dudarfst nicht neben mir stehen!"

Während dieser Rede blickte das Ebenbild der bösen Ge-stalt immer deutlicher durch das Antlitz des Engels hindurchund endlich arbeitete es sich ganz heraus; und Neid undHochmuth standen auf dem vorigen Angesicht: da war derEngel gefallen und er wollte nun die Seelen verführen, dieer vorher behütet hatte und rein und heilig gehalten.

— Und da erwacht' ich aus meinem Traum. Aber an-statt des Engels stehen jetzo die Jünglinge vor mir, die noch