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Für meine Freunde : Lebens-Erinnerungen / Jac. Moleschott
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V. Utrecht.

Erinnerung bewahre ich der Arie:Gönne mir ein Wortder Liebe" aus Marschner's Hans Helling. Diese musi-kalischen Genüsse führten uns öfters mit dem MusikdirektorCraywanger zusammen, mit welchem Verhellow Duettesang, zum Beispiel das wundervolleO Matilde" ausRossinrs Wilhelm Dell, und sie hielten das Andenken anKarel van Heerdt warm.

Sofern es wahr ist, daß man sich in einer neuenStadt heimisch zu fühlen anfängt, in dem Maße, als eseinem dort vergönnt ist zu wirken, hätte ich mich in Utrechtrasch zu Hause fühlen müssen. Ich sah mir bald einehübsche Anzahl von Kranken anvertraut, und zwar aus denbesten Kreisen. Mit diesen besten Kreisen meine ich nichtsowohl die reichen Leute, als vielmehr diejenigen, die sichdurch Bildung und Einsicht auszeichnen. Ich ward Haus-arzt in mehreren Professorenfamilieu.

Als ein besonders ehrendes Zeugniß erschien miüs,daß ich junger, unverheiratheter Mann, eines Tages in eineErziehungsanstalt für junge Mädchen gerufen ward. Nach-dem ich dort für eine Schülerin meinen Rath ertheilt hatte,ward dieser auch für die Untervorsteherin der Anstalt be-gehrt. Diese, eine junge Dame von noch nicht dreißigJahren, war von einem der angesehensten Aerzte der Stadt,der zugleich Hochschullehrer war, für schwindsüchtig erklärtworden, und in dieses Urtheil hatte der eigene Bruder derKranken, der in Amsterdam die Heilkunde mit Erfolg aus-übte, eingestimmt. Auf den ersten Blick hegte ich Zweifelgegen diesen Ausspruch, aber Angesichts der Gewähr eines