28
von Süden und Westen lier keineswegs, setzt im Gegentheil denVertheidiger der immerwährenden Gefahr, überfallen zu werden,aus, da das gebirgige Gelände die Kenntniss feindlicher Zusammen-ziehungen in grosser Nähe ausserordentlich schwer möglich macht.Darum befand sich auch General Werder während der ganzen Zeitseines Aufenthalts daselbst in einer recht unbehaglichen und dieKräfte seiner Truppen in unverhältnissmässiger Weise anspannendenLage. Er sass in einer Sackgasse, aus der er nach vorwärts nichthinaus konnte. Der Nutzen als Eisenbahnknoteu war für dieDeutschen auch nicht vorhanden; denn nach Süden hin konnten siedie Bahn nicht benutzen, da das Land mit in Versammlung be-griffenen Truppen besetzt war und von Freiscliaaren wimmelte;ebenso wenig Vortheil hatten sie von der Abzweigung nach Be-sangon, wenn sie nicht im Besitz der Festung Auxonne waren.Wenn trotzdem Werder den Punkt behauptete, so geschah es einer-seits deshalb, weil er im Besitz der Franzosen für diese von vielhöherem Werth war, wie für die Deutschen, und, so lange dieletzteren in dem alle Strassen beherrschenden Knoten standen,Garibaldi in den Bergen des Morvan und der hinteren Cöte d’Orfestgenagelt war und nicht herauskonnte, andererseits, weil Werderdie Räumung - für unzulässig hielt, so lange Garibaldi in Autunstand, um nicht den Anschein zu erwecken, als sei er vor diesemgewichen.
Anders gestaltete sich die Bedeutung von Dijon für die Deutschen,als der Vormarsch der Südarmee angetreten wurde; für ihn kamzunächst nur Vesoul oder Dijon in Frage. Nach letzterer Stadtführten von Montbard und Chätillon s/S. aus die grössten und bestenHauptstrassen, und darüber hinaus traf man über St Jean de Losneund Dole in weit kürzerer Linie auf die Rückzugslinie der fran-zösischen Ostarmee bei Arbois und Salins, als wenn man den Umwegüber Gray auf Besangon einschlug. Zur Fortsetzung der Operationenbot Dijon nach Wiederherstellung der Eisenbahn und Telegraphen-liuie Nuits sous Ravieres - Dijon eine sehr günstige Basirung unddie besten Verbindungen nach rückwärts für das II. und VII. Korps,ganz ahgesehen davon, dass die Wiedereinnahme dieser Stadt durchdie Deutschen nach dem überschwänglichen Jubel über die Besitz-ergreifung durch die Franzosen zu Ende Dezembers einen gewaltigenmoralischen Rückschlag auf die Bevölkerung ausüben und auf denKriegsmuth der jungen Truppen einen starken Dämpfer setzenmusste. Und doch zog Manteuffel die Marschrichtung auf Vesoulvor, um Werder auf kürzestem Wege eine unmittelbare Unter-