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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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25
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Zweiter Abschnitt.

Dijon und die Yogesenarmee.

I. Politische und strategische Bedeutung von Dijon.

Die ehemalige Hauptstadt des Herzogthums Burgund hatte fürdie Franzosen sowohl in politischer wie in strategischer Beziehungeine hohe Bedeutung. Im Frankreich des neunzehnten JahrhundertsHauptstadt des Departements Cöte dOr war Dijon als solche einGlied in der Kette der organisatorischen Massregeln Gambettas zurAufstellung und Ausrüstung der aus der levee en masse zu bildendenTruppenkörper; befand es sich im feindlichen Besitz, so entging derWehrkraft des Landes ein um so wichtigerer Bestandtheil, als dieStadt mit ihren 42 500 Einwohnern über bedeutende Hilfsmittel,über eine auch für die Bedürfnisse des Heeres nicht unwesentlicheIndustrie in Tuchen, wollenen Decken, Leinwand, Bier und übereinen ausgedehnten Handel iu Wein und Produkten verfügte. DieseVortheile dem Feinde nicht zu Gute kommen zu lassen, lag imInteresse der Franzosen. Der Besitz von Dijon hätte dem Gegnerferner die Möglichkeit geboten, zu versuchen, den für die Verbindungzwischen dem östlichen Frankreich und der Loire äusserst wichtigen,nur 55 km entfernten Eisenbahnknoten Chagny zu bedrohen undweiter auf Lyon oder aufNevers vorzudringen, um einestheils die imEntstehen begriffenen Neubildungen zu verhinderen, anderntheils dieden Entsatz von Paris bezweckenden Operationen der Loirearmeezu beeinträchtigen. Darum hatte auch die Käumung von Dijondurch Werder am 27. Dezember in ganz Frankreich einen ausser-ordentlichen Eindruck hervorgerufen und war als bedeutender Erfolgvon der Regierung sowohl wie von der Presse im patriotischenSinne nicht ohne Wirkung in jeder Weise ausgebeutet worden.Nun war es ein hohes politisches Ziel, das wiedergewonnene Dijonzu behaupten und das Kriegs-Ministerium wies den von Autundorthin vorgerückten Garibaldi später an, die Stadt unerschütterlich(inebranlablement) festzuhalten.

Der strategische Werth von Dijon beruhte ausserdem iu seinerEigenschaft als Strassen- und Eisenbahnknoten. Denn von hierstrahlten nachstehende Kunststrassen (Chausseen) aus: 1) nach