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dem erwähnten Eckhanse, welches das weitere Vordringen erschwerte,die Musketiere zur grössten Erbitterung, welche sich immer mehrsteigerte, als noch aus nächster Nähe aus demselben Schüsse ab-gegeben wurden und sich die Thür verschlossen fand. Sie wurdeerbrochen und es ergoss sich ein Strom von Mannschaften hinein,welche theils in Erdgeschoss, theils auf der Dorfstrasse zunächstAlles mit Kolben und Bajonnet niedermachten, was sich ihnenwidersetzte, bis auf die Zurufe: „Ambulance!“ Hauptmannv. Putlitz und bald darauf auch Major v. Erckert demKampfe ein Ende machten. Es stellte sich nun heraus, dassin diesem Hause ein Verbandplatz der Mobilisirten eingerichtetwar; einzelne der im Erdgeschoss betroffenen Mannschaften trugenweisse Armbinden mit dem rothen Kreuz, was in der Dunkelheitum so weniger bemerkt worden war, als andere mit den Waffenin der Hand Widerstand leisteten und ergriffen wurden. Manentdeckte jetzt auch auf dem Dach die Genfer Flagge, welche aberbei der völligen Finsterniss der Nacht beim Vordringen unmöglicherkannt werden konnte. Bedauerlicher Weise fielen diesem un-glücklichen Zusammentreffen zwei französische Militärärzte, welchegetödtet wurden, und 4 Lazarethgehilfen und Krankenwärter alsVerwundete zum Opfer. Die Eigenthümlichkeit der Nachtgefechteerklärt nicht nur die Möglichkeit derartiger Vorfälle, sondern machtsie sogar unvermeidlich; sie können daher auf den Grad derZivilisation des Volkes, bei dem sie sich zugetragen haben, inkeiner Weise ungünstige Schatten werfen, wie die Franzosen seitdem Kriege mit ungeminderter Gehässigkeit bis heute zu behauptenfortfahren; 1 ) die Kriegsgeschichte weist unzählige Beispiele nach,
TJm das Rachegefühl der Bevölkerung nicht einschlummernzu lassen, befolgen die französischen Schriftsteller den Grundsatz, heijeder Gelegenheit auf die angeblichen, von den Deutschen begangenenGrausamkeiten, ohne jegliche Rücksichtnahme darauf, dass dieselbenauf amtlichem oder privatem Wege widerlegt worden sind, immerwieder zurückzukommen und sie mit denselben Worten als thatsächlich
f eschehen ihren Lesern aufzutischen. Um zu verhindern, dass auch inen Augen anderer Völker das Sprichwort: Qui tacet consentire videturPlatz greift, bleibt nichts Anderes übrig, als dass deutscherseits die Be-schuldigungen immer wieder richtig gestellt werden. Ueber die Vorfällein Hauteville ist Dormoy erst 1894 in seinem Werke „Les trois bataillesde Dijon“ wieder mit den schärfsten Anklagen vorgegangen. Er er-zählt (D. V. 101.): „Seit 20 Minuten hatte jeder Widerstand aufgehört,und die Preussen hatten sich schon in allen Häusern zu Tisch gesetzt,als der preussische Bataillons-Kommandeur mit kaltem Blute eines jenerVerbrechen verübte, an welches die Franzosen selbst zu glauben zögerten.Ein Hauptmann, der die Vorfälle des Gefechts seinem Oberst berichtete,versicherte ihm, dass er einen französischen Arzt hätte aus dem Fensterschiessen sehen. Das war falsch. Aber auf diese thatsächlicheVersicherung des Hauptmanns, welche noch durch