257
wo sie selbst unter ähnlichen Umständen nicht anders verfahrenhaben.
Mit der Einnahme des Eckhauses war der letzte Widerstand
einen Eid bekräftigt wurde, liess sieb der Oberstdazu hinreissen, den ebenso grausamen, als un-überlegten Befehl zu geben, das Haus einzunehmenund darin Alles niederzumachen.“
Nun folgt eine Beschreibung des Hergangs, die sich zum Theilauf die in der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 15. Februar 1871,No. 4fi abgedruckten Mittheilungen des Korrespondenten der LondonerDaily News (Madame White-Mario), zum andern auf die, in die meistenfranzösischen einschlägigen Bücher übergegangene Darstellung ClementJanins in seinem 1873 erschienenen „Journal de la guerre ä Dijon“(Ja. II. 170 ft'.) stützt. Die letztere sucht sich den Anschein der Wahr-heit durch sorgfältige Nennung der Namen jedes einzelnen Betheiligtenund durch viele Einzelheiten zu geben; sie beweist dadurch aber nurdie von Niemand bestrittene Thatsache, dass in dem französischenVerbandplatz in jenem Nachtgefecht 2 Äerzte getödtet und mehrereLazarethgehilfen verwundet worden sind, nicht aber, dass derHergang selbst sich so abgespielt hat, wie sie behauptet. Sie lautet,unter Weglassung der Namen, kurz folgendermassen: Der Feind ergreiftBesitz von Hauteville, dadurch dass er Gewehrschüsse in die Fensterder Häuser abgiebt, wobei ein junges Mädchen, welches sich in das alsVerbandplatz dienende Haus von Calais geflüchtet, während ihrer Unter-haltung mit dem Diener durch einen Gewehrschuss („durch Zufall“nach den Daily News) in der rechten Brust verwundet wird. Währendder Chirurgien-major Mr. A. Morin, von Dr. Milliat unterstützt, demauf ein Bett getragenen Mädchen, von den Mitgliedern des Lazarethsumgeben, den ersten Verband anlegt, wird plötzlich die Thür erbrochenund das Zimmer von preussischen Soldaten überschwemmt. Sogleichwirft sich ihnen ein Krankenwärter mit der Genfer Flagge entgegenund Aerzte und Krankenwärter rufen: „Ambulance! Ambulance!“ Diedeutschen Soldaten antworten: „Ambulance! Francs-tireurs! Charognes!Capout!“ und das Blutbad beginnt. Zuerst fällt der Mann mit derFlagge. Trotzdem Morin in deutscher Sprache Einspruch erhebt,antwortet man ihm mit Bajonnet- und Kolbenstössen und schiesst ihnschliesslich durch die Brust, so dass er an der Uhr zusammenbricht.(Nach den Daily News soll ihn sogar ein Offizier mit einem Revolverin die Brust geschossen haben!) Gleichzeitig fallen der Apotheker und4 Lazarethgehilfen schwer verwundet und stellen sich, während demBlutbad die Plünderung, dann ein Ess- und Trinkgelage der Siegerfolgt, todt, um dadurch der nachträglichen Ermordung zu entgehen;in einem Augenblick des Alleinseins gelingt es ihnen, zu entrinnen,einer wird erwischt, soll auf der Strasse standrechtlich erschossenwerden, fällt von einer Kugel getroffen, weiss sich aber doch nachPouilly Ferme zu retten. Der Apotheker wird vor Bajonnetstichendurch den Eintritt eines preussischen Arztes bewahrt. Der bereits imZimmer verwundete Dr. Milliat wird hinausgeschleppt und zehn Meterlinks von der Eingangsthür niedergemacht. Ebenso werden zwei anderezufällig anwesende Leute hinausgestossen und kommen nicht wiederzum Vorschein. „Ein deutscher Offizier führt über diese Schlächtereiden Vorsitz.“ Das Lazarethmaterial wird von den Deutschen mit-genommen, von den 4 Fahrern gelingt es einem, sich zu retten.
Soweit Janin. Dormoy sucht nun ausserdem den Beweis derWahrheit durch Berufung auf das Zeugniss zweier Deutscher zu er-bringen und zwar des badischen Militärarztes Dr. Waltz — aus dessen1872 zu Heidelberg erschienenen „Erlebnisse eines Feldarztes derbadischen Division“ Seite 110 die vorstehend unterstrichenen Sätze ent-nommen sind — und des Dr. H. Bauer („Erinnerungen eines Feld-
17