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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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gehung der Westseite des Dorfes vorgeschoben. Unter letzterenbefanden sich die beiden Alpenjäger-Kompagnien unter CommandautMichard, die besten Schützen der Vogesenarmee. 1 )

Die Franktireurs entwickelten sich in Schützenlinien undgingen auf allen Punkten gleichzeitig mit grosser Entschlossenheitund Tapferkeit gegen das höchst wirksame Feuer der hinter Mauernund Zäunen meist gut gedeckten Füsiliere vor.Gewissermassenihrem eigenen Antriebe einzeln überlassen, berichtet Thiebault, 2 )kann man sie hinter den Mauern entlang kriechen und die Zugängeunter dem Gewehrfeuer erklettern sehen. Jeder Weinberg, jedesGehöft wird eine Stellung, die Schritt für Schritt erstritten werdenmuss. In einzelnen Abständen stösst man auf tief gelegene Grund-stücke, welche einen gefährlichen Sprung nöthig machen, dannkommen weite freie Strecken, die vollkommen offen sind und welcheman unter dem mörderischen Feuer des dort in Massen stehendenGegners überschreiten muss. Die Franktireurs kennen keine Hinder-nisse, ihre kühue Thatkraft besiegt alle Schwierigkeiten; sie benutzendie geringsten Bodenzufälligkeiten und Deckungen, welche Nuss-und Apfelbäume ihnen bieten, um immer weiter vorwärts zukommen. Schon haben manche Tapfere den Tod gefunden, aberihr vergossenes Blut verdoppelt den Antrieb der Kameraden; manwill sie rächen.

Als die linke Umgehungskolonne des Commaudant Michard 3 )in den das Dorf nördlich begrenzenden Gärten, Weinbergen undGehöften vordrang, fand sie den Gegner auf 50 und 100 m sichgegenüber und wurde mit heftigstem Feuer empfangen.EinAugenblick des Zauderns lähmt uns, schreibt Dr. Monard, Frei-williger bei den Alpenjägern 4 ),als ich Michard sich von derKolonne loslösen und sich auf eine Mauer hinaufwinden sehe, umeinen Garten zu erklettern, den die Preussen besetzen wollen. Miteinem Gefühl des Schreckens sehe ich ihn dem Feinde seine breiteBrust bieten, welche durch die sich bewegenden, eine Scheibe bil-

0 1). V. 83. s ) T. 8H. 3 )Michard, schreibt Dormoy (D. I. 57.',war

keineswegs Soldat von Fach, aber durchaus Soldat von Herzen. Man stelle sicheinen schönen Kopf mit gewölbter Stirn, blauen Augen, blondem Backenbartund langem, gleichfarbigen Schnurrbart vor. Man setze diesen Kopf aufsehr kräftige Schultern, dazu eine eiserne Faust, eine erstaunliche Ge-sundheit und man hat das leibliche Bild dieses reinen Galliers. lieberseinen Charakter weiss ich nur, dass dieser Hauptmann viel von sichselbst und. viel von seinen Leuten verlangte und niemals mit Zucht-losigkeit Spass verstand. Von seiner Mannschatt gefürchtet und gleich-zeitig hoch geachtet, verlor er im Feuer den Kopf nicht. Er ging zuersthinein. Er gab oder versuchte immer den ersten Schuss. Er erwarb da-her auch in diesem Feldzuge zwei Beförderungen, (5 Wunden und dasKreuz. S. 182.

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