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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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Garnier ist in seinen Angaben über die Vogesenarmee wenigglaubwürdig: als Royalist war er ihr an und für sich schon weniggünstig gesinnt; seine Liebe zu ihr wird nicht vergrössert wordensein durch die wiederholten dienstlichen Aufforderangen des mitder Führung der Heeresverwaltung beauftragten Lieutenant-ColonelsDelpech vom 23. Januar, ein von ihm in einer Gemeinde der CötedOr angefordertes Pfand zu bezahlen. 1 ) So sind seine Darstellungenvielfach wie sich nachweisen lässt zu Ungunsten der Vogesen-armee entstellt und, da sich im Vertrauen auf seine politischeParteistellung Coynart in seinem Buche über den Krieg zu Dijonund Perrot in seinem Bericht an den Untersuchungs-Ausschuss fastnur auf seine Angaben stützen, so ist in den französsichen Berichtenüber das Gefecht von Messigny ein in vieler Beziehung ganz falschesBild entstanden.

Trotz der Tapferkeit und Ausdauer der Truppen und Umsichtund Hingebung der Offiziere war das Gefecht von Messigny fürdie preussischen Waffen ein entschiedener Misserfolg. Major v. Contahatte den ihm ertheilten Auftrag, die Verbindung mit der 8. Brigadeaufzunehmen, in keiner Weise, nicht einmal durch Reiterstreifen,erfüllt. Für das Misslingen ist nicht die Ueberlegenheit an Zahlauf französischer Seite verantwortlich zu machen: von einer vier-bis fünf-, ja mehrfachen Ueberlegenheit, von der in manchen Be-richten gefabelt wurde, kann keine Rede sein, höchstens von einerzwei- bis dreifachen, und dass mit einer solchen bei der mangel-haften Gefechtsausbildung und Mannszucht garibaldinischer Frei-schaaren, selbst wenn diese sich gut gedeckt in der Vertheidigungbefanden, ein preussisches Bataillon nicht fertig geworden ist, warnicht seine Schuld, sondern dafür ist die Gefechtsleitung verant-wortlich zu machen.

Dass Major von Conta, als er vor Savigny von der Reitereidie Meldungen von der Besetzung von Messigny, Norges-la-Villeund Bretigny durch starke feindliche Kräfte erhielt, sofort denAngriff auf MessigDy als auf den am nächsten zur Vereinigung mitGeneral Kettler führenden Punkt beschloss, bevor er sich gründ-lichen Aufschluss über das Wesen und die Absichten der inNorgesund Bretigny in seiner linken Seite stehenden und für seinen Rück-zug bedrohlichen Streitkräfte zu verschaffen suchte, war ein Haupt-fehler, der ihm zum Vorwurf zu machen ist, der die ganze Gefechts-leitung beeinflusst und beeinträchtigt und schliesslich die Ver-anlassung zu dem mangelhaften Ausgang gegeben hat. So richtig

i) Bo. CdE. 391.