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Senans. Sein Misserfolg zu Dijon scheint anzudeuten, dass er dortnoch nicht sehr stark ist; indessen liegt Veranlassung vor, sichernsthaft mit dieser Lage zu beschäftigen und vielleicht würdenSie gut thun, falls noch Zeit ist, schleunigst Kräfte nachdem bedrohten Punkte abzusenden. Für alle Fälle,glaube ich, muss es für Sie ein Anlass sein, Ihre Bewegungen längsdes Doubs aufs Aeusserste zu beschleunigen, um nicht Gefahr zulaufen, eingeschlossen zu werden.“ —
Dass die Einnahme von Dijon unter gewissen Umständen,trotz der garibaldinischen Ueberlegenheit möglich gewesen wäre,darauf ist oben gelegentlich mehrfach hingewiesen worden. DerHauptgrund für das Misslingen dürfte jedoch in der unrichtigenWahl der Angriffsfront zu suchen sein. Die Linie Talant-Fontainewar unstreitig die taktisch stärkste .Seite von Dijon. General Kettlerhatte den Stier bei den Hörnern gepackt. Am leichtesten war derAngriff von Südosten, demnächst von Nordosten über St. Apollinaire— dem Angriffspunkt der badischen Division im Oktober. Hierzuhätte aber Kettler seine Verbindungen auf die Strasse nach ThilChätel oder noch weiter östlich verlegen müssen, was nur aufgrossen Umwegen und mit viel Zeitverlust ausführbar gewesenwäre. Angesichts des Befehls des Ober-Kommandos, am 21. Dijonzu besetzen, glaubte sich der General dazu nicht berechtigt. Erwar ein schneidiger, tapferer, pflichtgetreuer, zäher Soldat der altenSchule in der besten Bedeutung des Wortes, gewöhnt, die Befehleseiner Vorgesetzten aufs Pünktlichste auszuführen, aber kein Stratege.Mit den Anforderungen' des Exerzier-Reglements und anderer Dienst-vorschriften aufs Gründlichste vertraut, hatte er, wie viele hoch-stehende Offiziere jener Zeit, weniger Verständniss für die Gefechts-führung der neueren Taktik mit ihren Hinterladern und gezogenenKanonen. Es kam ihm nicht darauf an, wie seine Anordnungen fin-den Vormarsch beweisen, Truppenverbände zu trennen und durcheinander zu bringen und die Befehlsverhältnisse zu verwirren. DieseMängel in seiner Eigenschaft als höherer Truppenführer haben aberkeinen durchgreifenden Einfluss auf den Misserfolg gehabt. Die Haupt-schuld an diesem trägt vielmehr die ungenügende Aufklärung überdie Verhältnisse in Dijon, in welcher das Ober-Kommando denGeneral bei Ertheilung seines Auftrages und später gelassen hatte.Jenes ging allerdings am 13. Januar 1 ) noch von der Voraussetzungaus, dass Garibaldi in Autun und andere französische Truppen inDijon ständen. Allein die Kämpfe und Aufklärungen, die bei den
i) S. S. 2 und 3.