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Levert ergriff die Fahne 1 ) und stürmte vorwärts. UnteroffizierRogall streckte kaltblütig einen Offizier nieder. Der Zuave Barrault.fiel, durch verschiedene Kugeln schwer getroffen. Diese Verlustemachten auf die Franktireurs solchen Eindruck, dass, als die 7. Kom-pagnie in ihrem Schwärmanlauf bis 150 Schritte an sie heran-gekommen war, sie plötzlich Kehrt machten und hinter der Höhen-kante Deckung suchten. Nun aber beeilte sich Hauptmann v. Koschem-bahr, diesen günstigen Umstand benutzend, die Pariser Strasse zuerreichen und, fernerhin unbelästigt, seinen Rückzug auf Daroisfortzusetzen. Die an der Spitze der Angreifer befindliche KompagnieVaucluse sowie die Francs-tireurs de la Mort de Toulouse hatten 2 )ein Drittel ihrer Stärke bei diesem Angriff verloren — aber stolzpflanzten sie ihre dreifarbige Fahne auf der Höhe der Buttes Chau-mont auf und sandten den zurückgehenden feindlichen Linien ihreGeschosse nach. Dann wandten sie sich gegen Changey, wo LieutenantDormoy zuerst 3 ) in das dort eingerichtete preussische Feld-LazarethNo. 2 eingedrungen sein will, und von da in nördlicher Richtungweiter auf die gegen Plombieres aufgefahrene 5. Batterie los, welchesich, wie schon erwähnt, zum Abfahren gezwungen sah. 4 ) Weitersetzten die Franzosen an dieser Stelle die Verfolgung nicht fort.Jedoch soll gleich nach der Besetzung der Buttes Chaumont daselbsteine Batterie von ihnen in Stellung gebracht worden sein. 5 )
Als die 7. Kompagnie abmarschirt war, erhielt Lieutenantv. Schenck den Befehl, das Dorf Daix, jedoch unter Besetzthaltungder unmittelbar über ihm gelegenen Höhe von St. Laurent, zuräumen. 6 ) „Auch hier begann der Feind sofort zu folgen und nochwar der Ort nicht ganz geräumt, als schon die immer näherkommenden Rufe: „En avant! Avanti!“ herübertönten. Unterheftigem Granatfeuer von Fontaine wurde die hinter Daix steil an-steigende Höhe erreicht und die Kompagnie so aufgestellt, dass dieDorfstrasse unter Feuer genommen werden konnte.“ Nur mit ge-nauer Noth entging der Bataillons-Kommandeur, Major v. Kornatzki,und der Adjutant, Lieutenant Luther, welche sich von den imDorfe liegenden und dem Feinde zurückzulassenden schwer ver-wundeten Offizieren und Mannschaften verabschiedeten, der Gefangen-schalt. Unter dem heftigsten Schnellfeuer mussten sie einen steilenWeinberg erklimmen, um auf der Höhe, wo sie ihre Pferde fanden,,der inzwischen abmarschirten Kompagnie zu folgen.
!) Ga. 260. — 2 ) D. V. 148. — 3 ) Ebd. 152 ff. — 4 ) Weyrachs Ber.in Kr. A. K III. 42 r J und Mar. 234. — 5 ) Ber. der Wiener Neuen FreienPresse in Voss. Ztg. 1871, No. 31, Beil. 2. — 6 ) Sch. 384.