321
die wegen des Nebels nicht zu durchschauenden Absichten desFeindes. Als er Mittags im Sonnenschein dessen schwache Kräftein ihrer gestrigen Stellung und seine Anstalten zum Abmarschsah, erkannte er, dass jetzt ein wohlfeiler Erfolg, der die Moralseiner Truppen und sein eigenes Ansehen dem französischen Volkeund der Regierung gegenüber stärken konnte, zu erringen sei.Daher der Angriffsbefehl. Dass es ihm aber nur auf ein Blend-werk, nicht aber auf einen wirklichen Erfolg durch die Vernichtungoder wenigstens völlige Besiegung des Gegners ankam, erkennt mandaraus, dass er nicht nur seine sämmtlichen Kräfte nicht einsetzte,'sondern sogar auf eine scharfe Verfolgung durchaus verzichtete,vielmehr die Preussen auf einer Entfernung von 9 bis 12 km vonDijon sich satt essen und ruhig ausschlafen liess. —
Es ist oben schon angedeutet worden, dass die meisten fran-zösischen Darstellungen von einem preussischen Vorgehen umFontaine herum gegen die rechte französische Seite sprechen, wozuin keinem der preussischen Berichte und Kriegstagebücher auchnur der geringste Anhalt zu finden ist. Es wäre interessant, wennes sich herausstellte, auf welche Thatsachen die Franzosen dieseAnsicht begründeten. Uns will es scheinen, als ob sich sämmtlicheSchilderungen auf eine Stelle des im Betreff der Zuversichtlichkeitsehr fraglichen, 1871 geschriebenen Bordoneschen „offiziellen“ Werkesstützten. Dort heisst es nämlich: 1 ) Unsere Truppen „bewiesenbesonders eine grosse Festigkeit bei einer Bewegung, diezwischen der Strasse von Langres und der rechten Seite von Fon-taine und Mont Chapet vom Feinde unternommen wurde, um denVersuch zu machen, sie zu umgehen. Während die Mobilisirtendes Generals Pellissier, hinter Mauern verschanzt, gegen die Truppen,welche diese Bewegung unternahmen, schossen, griffen die Mobilisirtender Isere, welche zur 1. Brigade gehörten, sie mit grossem Feueran und zwangen sie, sich auf die Mitte der Angriffstruppen, welchesich wie Tags zuvor zwischen Fontaine und Talant befand, zurück-zuziehen.“
Beghelli, der auch 1871 schrieb, drückt sich allgemeiner aus: 3 )„Der Kampf hatte sich mehr auf unserer Rechten gegen Fontaine ent-wickelt. Die Preussen versuchten, sich dieser Stellung zu bemächtigen.Aber dies Mal thaten unsere Batterien an dieser Stelle ihre Schuldig-keit.“ Thiebault, dem, als er sein Buch über die 4. Brigade 1872veröffentlichte, Bordones Werk bekannt war, erwähnt dieses Vorgangszum Theil mit denselben Worten 3 ) und fügt hinzu: „Die 4. Brigade
!) Bo. 333. — 2) Be. 351. — 3 ) T. 91.
21