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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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320
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an den Tagen des 21. und 22. nur Preussen und Pommern, diekriegsgeübtesten und festesten Truppen der deutschen Armee, voruns gehabt. Schon am folgenden Tage sollten ihm diese Truppenden Grad ihrer Demoralisation beweisen!

Die Franzosen möchten gar zu gern den 22. Januar für einenvollwerthigen Gefechtstag in Rechnung stellen, um, da sie amAbend im Besitz der feindlichen Stellung waren, daraus für sicheinen Siegestag herzuleiten. Dies gelingt ihnen aber nicht. Wir habengesehen, dass preussischerseits nur die auf Vorposten befindlichenund sich gegenseitig auf Vorposten ablösenden Truppen amGefecht Theil genommen haben und dass an keiner Stelle dieHauptkräfte zur Thätigkeit gelangt sind! Vom Vormittag an bestandim Stabsquartier Kettlers die Absicht, Ortsunterkunft zu beziehen,um den Truppen Verpflegung und Ruhe zu verschaffen; die Vor-posten sollten dafür die Sicherheit gewähren, allerdings anfänglichmit dem Gedanken, dass sie in der Linie Plombieres-Daix belassenwürden. Der General mochte aus dem Verlauf und dem Ergebnissdes 21. die Annahme geschöpft haben, der Gegner würde sichlediglich vertheidigungsmässig verhalten und die Vorposten in Ruhelassen. Als dies nicht geschah, musste er den Abmarsch verzögern,um die letzteren nicht der Gefahr, aufgerieben zu werden, aus-zusetzen. Dass er es wagte, angesichts des Vorgehens immerhinstarker Kräfte gegen seine Front und rechte Seite das Gefechtkurzer Hand abzubrechen und ruhig seine Truppen, wie im Manöver,in die Ortschaften einrücken zu lassen, ist ein Beweis dafür, dasser trotz alledem seinem Gegner nicht allzuviel Thatkraft und Angriffs-geist zutraute. Und darin hatte er sich nicht getäuscht. Immer-hin entbehrt die preussische Führung am 22. einer rechten Stetigkeit;sie ist vom frühen Morgen an schwankend, ändert wiederholt, zumTheil auf zweifelhafte Nachrichten hin, die Entschlüsse und bringtdadurch die am Feinde befindlichen Truppen in peinliche Lagen,aus denen sie sich durch eigene Zähigkeit und Tapferkeit, sowiedurch Entschlossenheit der Unterführer ziehen müssen. Die Truppenkamen dadurch um den besten Theil des beabsichtigten und wohl-verdienten Ruhetages.

Garibaldis Gedanken waren, wie wir gesehen haben, von Hauseaus lediglich auf die Vertheidigung gerichtet. Die nächtliche Räumungvon La Fillotte musste auf einen Rückzug des Gegners schliessenlassen, wenigstens auf seinen Linksabmarsch zur Annäherung andie von Is sur Tille im Anmarsch gemeldeten Verstärkungen. Dochbegnügte sich Garibaldi am Morgen nur mit Aufklärungen über