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Die Kämpfe um Dijon im Januar 1871 und die Vogesenarmee : nach den kriegsarchivalischen Akten des Generalstabs und anderen Quellen / bearbeitet von Hans Fabricius
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In der aus dieser Darstellung Mioliards liervorgelienden That-sache, dass das II./61, bzw. die 5. Kompagnie, die fliegende Fahnevorauf, mit grosser Todesverachtung stürmender Hand gegendie Fabrik vorgegangen ist, stimmen deutsche wie französische Be-richte mit einander überein:Die Fahne flattert im Pulverdampfund scheint um sich die Kämpfer zu sammeln (Thejnras) x ).DiesesRegiment erfüllte seine Aufgabe, wie es die Kürassiere von Reichs-hofen thaten, nämlich sterbend. (Garnier.) i) 2 )

Wir haben früher berichtet 3 ), dass Premier-Lieutenant Weise,gefolgt von Lieutenant Schulze, mit einem Haufen Mannschaftenseiner Kompagnie etwa in Halbzugsstärke unter dem Rufe:5. Kompagnie! Marsch, marsch! Hurrah! vorwärts gestürmt war.Unmittelbar hinter ihnen war an der Spitze des ersten geschlos-senen Haufens mit der entfalteten Fahne in der Hand SergeantPionke aus der Grube gefolgt. Ohrenzeugen haben festgestellt,dass Sergeant Pionke im Augenblick des Vorgehens die Worteausgerufen hat:Wenn die Kompagnie vorgeht, muss die Fahnemit! 4 ) Lieutenant Gladisch hat gesehen, dass Sergeant Pionkemit der Fahnensektion aus der Grube den bereits im Vorgehen be-griffenen Theilen der Kompagnie im Laufschritt nachgeeilt sei unddass er vorstehende Worte als Antwort auf den ihm aus der Grubenachgesandten Zuruf, was er denn vorn mit der Fahne wolle, ge-geben habe. Diese Worte stellen der übrigens schon vorher be-kannten Herzhaftigkeit des braven Fahnenträgers ein glänzendesZeugniss aus.

Gleich zu Beginn des Angriffs wurde Lieutenant Wenzel durcheinen Schuss in die linke Brust schwer verwundet. Auch derKompagnieführer, Premier-Lieutenant Weise, erhielt bald daraufeinen Schuss in den Arm und wurde zurückgeführt; er hat vondem Schicksal der Fahne nichts bemerkt. Gegen diese und den siebegleitenden geschlossenen Trupp richtete sich nach ihrem Erscheinenaus der Lehmgrube alsbald das Feuer von Hunderten von Repetir-gewehren. Unter ihm brach die Fahnensektion zusammen :Fahnen-träger Pionke ist jedenfalls sehr bald, 5 ) nachdem er die Grubeverlassen hatte, tödtlich getroffen worden, bzw. gleich todt geblieben,so heisst es in der Darstellung des II. Armeekorps.Es ist fernerzweifellos festgestellt, dass Sekond-Lieutenant Schulze die Fahnein Händen gehabt; ob er sie direkt aus den Händen Pionkes ge-nommen, ist nicht wahrscheinlich; sie scheint inzwischen schon

i) Th. 97.' *) Ga. 270. - 3 ) 'S. S. 389. *)'Bau. 65. - *)' Nach

Bau. 65, etwa 30 Schritte.