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samkeit und Wachsamkeit geboten war, so war doch für ihn dievom Feinde eingeschlagene Angriffsrichtung zweifellos die un-wahrscheinlichste. Das Vorgelände um Prauthoy in einem Halbmesservon einer Meile ist ausserordentlich unübersichtlich und schwierigund zu seiner gründlichen Aufklärung würden ganz bedeutendeKräfte zur Verfügung haben stehen müssen, namentlich an Reiterei,.ohne die dies überhaupt unmöglich war Was können aber 20 Pferde,die ausser dem Streifdienst am Tage vielfach durch Meldungen zurBrigade in Anspruch genommen waren, leisten, namentlich wenn ihnenmit Tagesanbruch unmittelbar ein längerer Marsch bevorsteht? DasEinzige, was Hauptrnaun Kriess hätte thun können, war, dass er inder Frühe auf allen vier von Prauthoy abgelienden Strassenauf eine halbe Meile Doppelvedetten bis zur Abmarschstunde vor-schob und auch diese Massregel hätte, da der Feind keine dieserHauptstrassen wählte und wegen der Dunkelheit eine Uebersichtnicht möglich war, nicht zum Ziele geführt. Ebenso wenig hättedas gewiss sehr nützliche Kreuzen der Infanteriestreifen in diesemFalle geholfen. Das Aussenden starker Infanterieabtbeilungenausserhalb der Hauptstrassen nach allen möglichen Richtungenhätte die Kräfte allzusehr in Anspruch genommen, ein späteresZurückkehren als um 6 IS, wie geschehen, war bei einem um 7 Uhrangesetzten Abrücken zu einem dreimeiligen Marsch nicht zu ver-langen. Nur eine starke, auf weite Entfernung das Vorgeländenach allen Richtungen durchstreifende Reiterei hätte die Ueber-raschung zu vereiteln vermocht, und eine solche stand nicht zuGebote. Seinen Kräften entsprechend hatte Hauptmann Kriess dasSeinige gethan, um eine genügende Sicherheit herzustellen, undman kann nur sagen, dass er einem im höchsten Grade ungünstigenGeschick zum Opfer fiel.
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