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Dem Kriegs-Delegirten Freycinet theilte Bordone seinen Ent-schluss erst um 512 A, durch folgende Depesche mit: „Da dieFeindseligkeiten fortdauern — ansehnliche Truppen über Chätillon (?)kommen und wir noch heute angegriffen worden sind, ohne unsereStellungen zu verlieren, treten wir einen nächtlichen Rückzug an,um der Republik ein Heer zu erhalten.“ ')
Colonel Coynart 2 ) hat den Rückzugsentschluss scharf getadelt,indem er sagt: „Jeder an die Spitze eines so bedeutenden Armee-korps, wie das zu Dijon, gestellte General hätte von der Gelegen-heit Nutzen gezogen, seine Streitkräfte auf dem für einen Angriffgünstigsten Punkte zusammengeschlossen und einen letzten muthigenKampf versucht; das wäre ohne Zweifel wagehalsig gewesen, aber■es waren hinreichende Aussichten vorhanden, um das Unternehmenzu rechtfertigen. Man hielt sich an den vorsichtigeren Entschluss.“Auf der nächsten Seite aber schon stimmt er der Bemerkung Bor-dones zu, dass niemals ein Rückzug mehr „opportun“ gewesen wäre,als dieser. Darin lag aber doch der Kernpunkt! Unseres Er-achtens hat Bordone vollständig sachgemäss gehandelt, wenn erdie Armee nicht einer heroischen Thorheit zum Opfer brachte.Wenn wir auch unserer Ueberzeugung Ausdruck gegeben haben,dass Garibaldi in einem früheren Zeitpunkt, besonders gleichnach dem Abweisen der Kettler’sehen Angriffe, von Dijon zur Unter-stützung der Ostarmee, am besten auf Döle-Mouehard hätte vor-stossen müssen, so glauben wir doch, dass, nachdem General Hannseine allerdings nur halb so starken, aber aus kriegsgewohntenTruppen bestehenden Streitkräfte auf einer für einen Angriff aufDijon günstigen Stelle vereinigt hatte, nicht einmal eine Ver-theidigungsschlacht einen irgendwie erheblichen strategischen Erfolggehabt haben würde, selbst für den nicht anznnebmenden Fall,dass Garibaldi den Angriff abgewiesen hätte. Denn vernichtetwürde er seinen Gegner nicht haben, mithin hätte er nicht überihn hinweg zu Clinchants Unterstützung marschiren können. Dassdieser bei Pontarlier sich in bedrängter Lage befand, war Garibaldibekannt. Wenn ihm überhaupt noch zu helfen war, so konntedies jetzt nur noch durch schnelle Eisenbahnbeförderung auf demden Deutschen vertragsmässig unzugänglichen französischen Gebiete,geschehen. War dies aber ausgeschlossen, wie sich im Laufe des1. Februar dadurch herausstellte, dass die Ostarmee bereits nachder Schweiz übergetreten war, so hatte Bordone, wenn er Dijonohne Entscheidungskampf aufgab, in der That dem Staate
0 Per. II. 702 No. 7921. — -) C. %.