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Gutachten über die Errichtung einer Realschule in Bern : 30.Sept. 1828 / [Bernhard Studer]
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von denen die erstere ausschließlich den Bedürfnissen derjenigen Schüler zu entsprechen übernahm,deren künftiger Beruf die gründliche Erlernung der alten Sprachen erfordert, letztere aber an dieStelle der frühern Kunstschule treten sollte. Zur Umwandlung der bisherigen Anstalt in eine Literar-schule bedurfte es wenig mehr, als einer Aenderung des Namens; die Errichtung einer Real-schule aber forderte die Anstellung neuer Lehrer und die Anweisung eines eigenen Locals. Eswurden zu diesem Zweck von MnHGHrn. des kleinen Raths Unterhandlungen mit der Tit. Stadt-verwaltung angeordnet, indem es jder Bestimmung der neuen Anstalt angemessen schien, dieerforderlichen Gelder aus dem Stadtfonds zu erheben; da sich aber die beidseitigen Tit. Com-mittirten über mehrere wesentliche Punkte nicht vereinigen konnten, so ist bis auf jetzt diewirkliche Organisation und Eröffnung einer Realschule unterblieben, und auch jene Unterhand-lungen sind seit mehreren Jahren ganz abgebrochen worden.

Inzwischen ist das Bedürfniß einer Anstalt für Knaben, die sich? keiner der drei Facultäten,der Theologie, Jurisprudenz und Medicin, widmen sollen, in den letzten Zeiten bedeutend ge-steigert worden. Von Jahr zu Jahr beschränken sich in unserer Stadt die Aussichten auf sichereErwerbsquellen. Die obern Stände werden immer dichter besetzt, weil.Gcsellschaflsgütcr undFamilienkisten vor gänzlichem Verfall bewahren, während Talent und Industrie immer neuenZuwachs von unten bringen. Juristen und Mediciner sind bereits genöthigt, ihr Fortkommenin kleinen Städten und auf dem Lande zu suchen, wo sie neue Concurrcnz erwartet, und .dieTheologie, die bis jetzt noch eine sichere Zukunft darbot, wird in Kurzem, bey dem allmähligwachsenden Andrang von Oben und Unten, ihre Candidaten in noch größere Verlegenheit setzen.Dagegen scheinen sich auf dem weiten Felde des Handels und der Industrie einem großen Theileunserer Jugend, wenn nicht glänzende, doch beruhigende Aussichten zu öffnen. Allein auch fürdie gewerbetreibende Classe haben sich alle Verhältnisse mehr und mehr ungünstig verändert. Miteiner bisher nie gekannten Lebendigkeit schreitet in den angrenzenden Ländern die Industrie zuimmer höherer Ausbildung; ein auf's engste geschlossener Verband zwischen der Wissenschaft undihren Anwendungen auf Gewerbe erzeugt jedes Jahr neue Industriezweige oder Verbesserungenälterer, die nur demjenigen erreichbar werden, der sich durch tüchtige Vorbildung über die alteRoutine erhoben hat; neue Straßenzüge endlich und ein ausgedehnter Handelsverkehr erleichterndie Zufuhr auS Gegenden, die bisher von aller Concurrenz abgeschnitten waren. Zugleich sindaber durch unsere politische Umwälzung alle Monopole, die den Bürger früher begünstigten,zerstört worden, und Fremde aller Nachbarländer wetteifern mit ihm um den Absatz ihrerFabricate. Vergebens würde man streben, durch Herstellung der alten Innungen -und analogerInstitute, oder durch Einfuhrverbote und Beschränkungen des Verkehrs der Burgerclaffe ihren altenruhigen Erwerb wieder zu geben. Monopole, die man einmal verloren hat, werden seltenwieder gewonnen. Wir müssen den Kampf mit der fremden Industrie bestehen, oder ihr dasFeld abtreten.