Friedrich von Hagedorn,
geboren den 16. April 1708, gestorben den 28. Oetober 1754.
1. Das Schäfchen.
Ein Schäfchen kroch in dichte Hecken,
Dem rauhen Regen zu entgeh'«.
Hier konnt' es freilich trocken Aeh'n;
Allein die Wolle blieb ihm stecken.
Beglückt ist. Wen dies Schaf belehrt,
Bethörte Had'rer, laß't euch rathen:
Dertrau't die Wolle nicht den scharfen Advocaten!
Oft ist, Was ihr gewinn't, nicht halb der Kosten werth.
2. Das Hühnchen und der Diamant.
Ein verhungert Hühnchen fand „ Möchte doch, mich zu erfreu'»," —
Einen feinen Diamant Sprach es, — „dieser schöne Stein
Und verscharrt' ihn in den Sand. Nur ein Waizenkörnchen seyn!" —Unglücksel'ger Überfluß,
Wo der nöthige GenußUnsern Schätzen fehlen muß!
6. Der Ruckuk und die Lerche.
Äen Kuckuk fragt die Lerche: „ „ Sie sollen uns beweisen,""
„Wie kommt es, — sage mir! — Erwiedert er und lacht,
Daß die gereiften Störche «„Daß nicht das viele Reisen
Nicht klüger sind, als wir?" — Die Dummen klüger macht.""
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