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Das Deutsche Buch : aus deutschen Musterschriften / nach der Zeitfolge geordnet von Friedrich Heyne
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Friedr ich von Hagedorn

sgeb. 170».

4. Der M K i.

Der Nachtigall reizende LiederErtönen und locken schon wiederDie fröhlichsten Stunden in'S Jahr.Nun singet die steigende Lerche;

Nun klappern die reisenden Störche;Nun schwatzet der gaukelnde Staar.

Wie munter sind Schäfer und Heerde;Wie lieblich beblümt sich die Erde;

Wie lebhaft ist itzo die Welt!

Die Tauben verdoppeln die Küsse;Der Entrich besuchet die Flüsse;

Der lustige Sperling sein Feld.

Wie gleichet doch Zephyr der Floren!Sie haben sich weislich erkoren;

Siewählten den Wechsel zur Pflicht.Er flattert um Sprossen und GarbenSie liebet unzählige Farben,

Und Eifersucht trennet sie nicht.

Nun heben sich Binsen und Keime;Nun kleiden die Blätter die Bäume;Nun schwindet des Winters Gestalt.

5. Die

Geschäfte, Zwang und Grillen,Entweih'! nicht diese Trift!Ich finde hier im StillenDes Unmuth's Gegengift.

Ihr Schwätzer, die ich meide,Vergesst, mir nach zu zieh'»,Verfehl't den Sitz der Freude,Verfehl'! der Felder Grün!

ES webet, wallt und spieletDas Laub um jeden Strauch,Und jede Staude fühletDes lauen Zephyrs Hauch.Was mir vor Augen schwebet.Gefällt und hüpft und singt,Und Alles Alles lebet,

Und Alles scheint verjüngt.

Nun rauschen lebendige QuellenUnd tränken mit spielenden WellenDie Tristen, den Anger, den Wald.

Wie buhlerisch, wie so gelindeErwärmen die westlichen WindeDas Ufer, den Hügel, die Gruft!Die jugendlich scherzende LiebeEmpfindet die Reizung der Triebe,Empfindet die schmeichelnde Luft.

Nun stellt sich die Dorfschaft in Reihen;Nun rufen euch eure Schalmeien,

' Ihr stampfenden Tänzer, hervor.

! Ihr springet auf grünender Wiese;

Der Bauerknecht hebet die Liese. In hurtiger Wendung empor.

Nicht fröhlicher, weiblicher, kühnerSchwang vormals der braune SabinerMit männlicher Freiheit den Hut.O, reizet die Städte zum Neide,

Ihr Dörfer, voll hüpfender Freude!Was gleichet dem Landvolk' an Muth?

Ihr Thäler und ihr Höhen,

Die Lenz und Sommer schmückt,Euch, ungestört, zu sehen,

. Ist, was mein«Herz entzückt.Schön seyd ihr, Wald und Weiden,Und du, bethaute Flur.

Wie rein sind deine Freuden,

O reizende Natur!

Die Saat ist aufgeschossenUnd reizt der Schnitter Hand.Die blättervvllen SprossenBedecken Berg und Land.

Die Vögel, die wir hören,Genießen ihrer Zeit.

Nichts tönt in ihren Chören,

Als Scherz und Zärtlichkeit.

L a u d l u st.