22
Christ. Färchtegott Geliert.
»b. 171L.
„O Thor," — läßt Zeus sich zornig hören, —„Wird dich der nahe Pfeil nun lehren:
Ob ich dem Sturm' zu viel erlaubt? —Hätt' dir ich Sonnenschein gegeben;
So hätte dir der Pfeil das Leben,
Das dir der Sturm erhielt, geraubt." —
8. Das Rutschpferd und der Ackergaul.
Ein Kutschpferd sah den Gaul am Pfluge zieh'nUnd wieherte, voll Trotz, auf ihn.
„Wann," — sprach es und begann sich schön zu hebe», —„Wann kannst du dir ein solches Ansehn geben? —
Und wann bewundert dich die Welt?" —
„Schweig," — rief der Gaul, „und laß mich ruhig pflügen! -Denn, baute nicht mein Fleiß das Feld,
Wie wolltest du den Hafer kriegen,
Der deiner Schenkel Stolz erhält?" —
Die ihr die Niedern so verachtet,
Vornehme Müßiggänger, wiß't,
Daß selbst der Stolz, mit dem ihr sie betrachtet,
Auf ihren Fleiß gegründet ist.
9. Der Jüngling und der Greis.
,-^8ie fang' ich's an, um mich empor zu schwingen?" —
Fragt' einst ein Jüngling einen Greis. —
„„Der Mittel,"" —hub der an,—„„um es recht hoch zu bringen,Sind zwey bis drey, soviel ich weiß. —
Sey tapfer! Mancher ist gestiegen;
Weil er entschlossen in Gefahr, —
Ein Feind von Ruh' und von Vergnügen —
Und durstig nach der Ehre war.
Sey weise, Sohn! — den Niedrigsten auf ErdenJst'S oft, durch Witz und durch Verstand geglückt,
Am Hofe groß, groß in der Stadt zu werden:
Zu Beiden macht man sich durch Müh' und Fleiß geschickt —Dies sind die Mittel großer Seelen."" —
„Doch die sind schwer; — ich will dir'S nicht verhehlen; —
Ich hatte leichtere gehofft." —
„„Gut,"" — sprach der Greis, „„.willst du ein leichter' wählen;So sei ein Narr! — auch Narren steigen oft."" — -