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Das Deutsche Buch : aus deutschen Musterschriften / nach der Zeitfolge geordnet von Friedrich Heyne
Entstehung
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59
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gest. 1777.)

Just. Friedr. Wilh. Zachariä.

59

Sieh' nur einmal! mein buntes KleidWeckt aller andern Vögel Neid.

Mein langer/ spiegelvoller Schwan;

Und meines Halses Wunderglan;

Macht mich zu dieses Hofes Zier;

Doch du? was hast du denn an dir,

Das mir den Vorzug streitig macht?

Du gehst einher in Bauerntracht,

In einem alten, grauen Kittel,

Hast keinen Rang und keine Titel."

Der Kranich sprach:»da hast du Recht;

Mein Rang ist klein; mein Rock ist schlecht;

Doch hab' ich hier zwey gute Flügel.

Hoch über Land und Meer und HügelSchwing' ich mich auf, beseh' die Welt,

Und welches Land mir dann gefallt,

Nach diesem steuert mein Gefieder;

Wenn ich es will, laß' ich mich nieder,

Find' aller Orten meinen HerdUnd esse, was mein Her; begehrt;

Da du hingegen stets in WustAuf deinem Hofe leben muß'st,

Und, wenn du dich zum Flug' ermannst,

Kaum auf die Scheune fliegen kannst.

D'rum sieh' mich so gering' nicht an!

Nicht immer macht das Kleid den Mann.

6. Der Nnab' und der Stieglitz.

Ein bunter Stieglitz ward gefangenUnd einem Knaben, voll VerlangenDarnach, zum Eigenthum geschenkt,

Der, ganz entzückt auf Nichts mehr denkt,Als seines Vogels recht zu pflegen.

Er sucht daher ihm allerwegenSein liebstes Futter, füllt sein GlasDes Tages oft mit frischem Naß,

Vergoldet ihm sein kleines HausUnd bringt ihm manchen Distelschmaus.

Der Stieglitz aber findet dochZuletzt ein unbemerktes Loch,

Dem heimlich er sofort entklimmt