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Salonron Geßner,
sgeb. 1730.
So bat der Redliche/ und Palemon genas. Aber AmintaS sah' denmächtigen Seegen in seiner Heerde und bei seinen Bäumen und Früchtenund ward ein reicher Hirt; denn die Götter lassen die Redlichen nichtungesecgnet.
2. Myrtilund Daphne.
„(Achon so früh / meine Schwester? — Noch ist die Sonne nicht hinterdem Berge hervor- kaum hat die Schwalbe ihren Gesang angefangen; derfrühe Hahn hat kaum noch den Morgen gegrüßt; und du bist schon in denThau hinaus gegangen? — Was willst du heute für ein Fest bereiten/ daßdu so frühe dein Körbchen voll Blumen sammelst?" —
„„Sey mir gegrüßt/ geliebter Bruder! — Woher am feuchten Mor-gen? Was beginnst du in der stillen Dämmerung? — Ich habe hier Veil-chen gesucht und Mayblumen und Rosen/ und will itzt — / da unserVater und unsre Mutter noch schlafen/ will ich sie auf ihr Bette Hin-streuen; dann werden sie unter lieblichen Gerüchen erwachen und sich freuen;wenn sie sich mit Blumen umstreut seh'n,"" —
„O du geliebte Schwester! — Mein Leben lieb' ich nicht so sehr/ wieich dich liebe.— Und ich —? du weiß'st eS/Schwester; gestern bei'm Abend-roth'/ als unser Vater nach unserm Hügel hinsah/ auf dem er so oft ruht/—„lieblich wär' es/" — so sprach er/ — „ständ' eineLaube dort/ die uns inihren Schatten nähme;" — ich hört' eö und that/ als hätt' ich'S nicht ge-hört; aber früh'/ vor der Morgensonne/ ging ich hin und baute die Laubeund band die flatternden Haselstauden an ihrer Seite fest. O/ meine Schwe-ster, sieh' hin! die Arbeit ist vollendet. Verrathe nichts; bis er es selbstsieht! — Der Tag soll uns voll Freude seyn!" —
,,„O mein Bruder, wie angenehm wird er erstaunen; wenn er dieLaube von Fern' sieht! Jetzt geh' ich hin/ schleiche leise zn ihrem Bettemich hin und streue diese Blumen um sie her."" —
„Wenn sie unter den lieblichen Gerüchen erwachen; dann werden siemit freundlichem Lächeln sich ansehn und sagen: „das hat Daphne gethan;wo ist sie/ das beste Kind? — sie hat für unsre Freude, vor unserm Er-wachen, gesorgt." —
„„Und, Bruder, wenn er dann vom Fenster her die Laube sieht; —„wie? — trüg' ich mich?" — so sagt er dann, — „eine Laube steht dortauf dem Rücken des Hügels? — gewiß! die hat mein Sohn gebaut; ge-seegnet sey er! ihn hält die Ruhe der Nacht nicht ab, für unsers AltersFreude zu sorgen."" — Dann, Bruder, — dann ist uns der ganze Tagvoll Wonne; denn, Wer am Morgen waö Gutes beginnt. Dem gelingtAlles besser, und auf jeder Staude wächst ihm Freude.