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Das Deutsche Buch : aus deutschen Musterschriften / nach der Zeitfolge geordnet von Friedrich Heyne
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67
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gest. 1787.Z

Salomon Geßner.

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6. M y r t i I.

Per stillem Abend'/ hatte Myrtil noch den mondbeglänzten Sumpf be-sucht; die stille Gegend im Mondschein' und das Lied der Nachtigall hat-ten ihn in stillem Entzücken aufgehalten. Aber itzt kam er zurück in diegrüne Laube von Reben vor seiner einsamen Hütte und fand da seinenalten Vater sanftscklummernd am Mondenschein'/ hingesunken/ sein grauesHaupt auf den einen Arm' hingelehnt. Da stellt' er sich/ die Arme ineinander geschlungen/ vor ihn hin. Lange stand er da; sein Blick ruhteunverwandt auf dem Greise; nur blickte er zuweilen auf durch dasglänzende Reblaub zum Himmel/ und Freudethränen flössen dem Sohnevom Auge.

O d»/" so sprach er itzt/du den ich/ nächst den Götter»/am Meisten ehre/ Vater/ wie sanft schlummerst du da! wie lächelnd ist derSchlaf des Frommen! Gewiß/ging dein zitternder Fuß aus der Lütte her-vor/ in stillem Gebete den Abend zu feyern/ und/ betend/ schliefest du ein.Du hast auch für mich gebetet/ Vater. Ach/ wie glücklich bin ich! dieGötter hören dein Gebet; oder warum ruht unsre Hütte so sicher in den/von Früchten gebogenen/ Ästen? warum ruht der Seegen auf unsrer Heerdeund auf den Früchten unsers Feldes? Oft/ wann du bei meiner schwachenSorge für die Ruhe deines matten AlterS/ Freudethränen weinst; wann dudann gen Himmel blickst uud freudig mich scegnest; ach / was empfind' ichdann/ Vater! ach/ dann schwillt mir das Herz/ und häufige Thränen quil-len vom Auge! Da du heut' an meinem Arm' aus der Hütte gingst/ ander wärmenden Sonne dich zu Erquicken/ und die frohe Heerde um dichher sahst/ und die Bäume voll Früchte und die fruchtbare Gegend umher;da sprachst du:meine Haare sind unter Freude grau geworden; seydimmer geseegnet/ Gefilde! nicht lange mehr wird mein dunk'ler Blickeuch durchirren; bald werd' ich euch an sceligere Gefilde vertauschen."Ach/ Vater/ bester Freund/ bald soll ich dich verlieren: trauriger Gedan-ke! Ach/ dann/ dann will ich einen Altar neben dein Grab hin-pflanzen/ und dann/ so oft ein seeliger Tag kommt/ wo ich Nothleiden-den Gutes thun kann/ dann will ich/ Vater/ Milch und Blumen aufdein Grabmal streu'n."

Itzt schwieg er und sah mit thränendem Aug' auf den Greis.Wie er/ lächelnd/ daliegt und schlummert!" sprach er itzt/ schluch-zend;es find von seinen frommen Thaten im Traum' vor seine Stirnegestiegen. Wie der Mondschein sein kahles Haupt -bescheint und denglänzend weißen Bart! O/ daß die kühlen Abendwinde dir nicht scha-den und der feuchte Thau!" Itzt küßt' er ihm die Stirne/ sanft ihnzu wecken/ und führt' ihn in die Hütte/ um sanfter auf weiche» Fellen zuschlummern.

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