Buch 
Das Deutsche Buch : aus deutschen Musterschriften / nach der Zeitfolge geordnet von Friedrich Heyne
Entstehung
Seite
79
JPEG-Download
 

gest. 1777.)

Johann Gottlieb Willamow

79

Nun ist's zu spät; da dich das Unglück schon berroffen.""

Wer sich nicht rathen läßt/ hat Hülfe nicht zu hoffen.

6. Der Mensch, das Vergnügen und der Schmerz.

H8er bist d»/ freundlich' Kind?"Ich nenne mich Vergnügen.""Und d»/ Triefäugiger/ aus dessen finstern ZügenVerdruß und Gram und Kummer spricht?"

»Ich bin der Schmerz."""Dich mag ich nicht.

Doch du/ o schönes Kind/ sey mein!"

Nicht also/ Freund! das kann nicht seyn-

Wer mich verlangt/ der muß sich auch bequemenDen/ mir Gesellten mitzunehmen.""

O pfui! das ist wol nur dein Scherz?

Ihr/ Feinde/ wärt so nah verbunden?"

Ja/ Freund / so steht des Schicksals fester Schluß.

Sieh nur! dies feste Band/ das uns verknüpfen muß/

Hat seine Hand uns selbst umwunden.

Wir bleiben »»zertrennt verbundenUnd folgen stets einander auf den Fuß."»

7. Der junge Bauer und sein Vater.

,,^sn einem alten Buch/ das ich bel'm Pastor fand/"

Sprach Fritz/ ein BauerSsohN/hab' ich gelesen/

Daß vormals eine Zeit gewesen/

Die man die goldene genannt.

Das Korn ist da von selbst hervorgekommen;

Die Fische sind/ gekocht/ im Teich' umhergeschwommen;

Die Bäche/ heißt cS/ waren Wein/

Und in der Luft sah man gebrat'ne Tauben fliegen;

O/ wäre noch die Zeit; denk't/ Vater: welch' Vergnüge«/In solcher Welt ein Mensch zu seyn:"

Ei sa, du würdest Viel von diesem Allen kriegen!

Wir wären gewiß ein gut' Theil schlechter d ran.

Sprich! wenn der Junker selbst sein Feld bestellen könnte;

Ob er uns wol ein Fleckchen Ackers gönnte?

Jagd/ Wiesen/ Fischerei maaßt' er gewiß/ sich au.

Was bliebe denn für uns in solchen gold'nen Zeiten?""Nein / Vater/ so müß't ihr'S nicht deuten;

Das Buch sagt euch: da war noch Keiner reich,

Da war noch gar kein Herr; wir waren Alle gleich."