94 Christian Kajus Loren; Hirschfeld. »r. 1742.
Lauben, mit seinen Küchengewächsen und Frnchtbäumen in nachlässig schei-nender Ordnung hin, und ein Traubengeländer umzäunt seinen Bezirk.Hier wohnet Ruhe, Kühlung und Entzücken aller Sinne; hier ist es lieb-lich: die Morgenröthe erwachen zu sehn oder in der Abendluft zu wandelnunter dem siilbernen Lichte des Mondes oder in süßen Phantasiern einsamzu sitzen; unterdessen die Laube Schatten und leichte Blüthen auf uns her-abstreut, oder der schwärmende Wind in den Gipfeln der Bäume ein sanftmelodisches Rauschen verbreitet. Hier und da schimmert eine weiße Statuenach der andern dem Auge entgegen, die, sowohl durch die Schönheit derArbeit als auch durch die lichtvolle Farbe und schimmernde Größe, demGarten mehr Leben und Heiterkeit mittheilt. «
Auch die Gemächer des Landhauses haben die besten AuSzierungen,die ihnen ein guter Geschmack nur geben konnte; sie sind mit einer Samm-lung bon Kupferstichen und Landschaftgemälden erfüllt, die den Geist wiedas Zimmer erhellen, die Einbildungskraft mit neuen Bildern erfrischen,die Schönheiten der Natur vervielfältigen und den Geschmack an ihnenverfeinern, — bei einer traurigen Witterung, erheitern und in der Ein-samkeit unterrichten.
Allen Geschöpfen ist die Freude über die Reize der verjüngten Na-tur so gemein, daß wir sie in dem ganzen Reiche der lebendigen Wesenwahrnehmen. Kaum verlieren die Lüfte Rauhigkeit und die Felder legenihren grünen Schmuck an; so wird Alles von einem gemeinschaftlichenVergnügen erfüllt. Wie eilen die Heerden, mit frohem Lärm', in dieeröffneten Weiden! Wie hüpfen die Geschlechter der Vögel auf den be-laubten Aesten und singen ihre Lieder! Wie spielen die Fische über den,sanft erwärmten, Fluthen! und welch' neues Leben breitet sich, durch dieEinflüsse des milden Himmels, in der ganzen Schöpfung aus!
Dieses allgemeine Gefühl der Munterkeit und der Freude, bei Ver-jüngung der Natur, belebt auch den Menschen; — Der würde nur Fremd-ling in unserm Geschlecht' und unter die Glückseligkeit der Thiere er-niedrigt seyn, der in dieser Zeit keiner angenehmen Gefühle fähig wäre.Wenn diese frohe Liebe, die bei den Thieren meistens nur durch die Er-wärmung, durch die Fülle ihrer frischen Nahrung und durch die reiche Be-friedigung ihrer Triebe, erwache», sie so sehr beleben; so sollten die vielfeinern Sinne des Menschen noch mehr gerührt werden. And're Ge-sch öpfe sind für eine Menge des Schölten in der Natur gleichsam todt;nun der Mensch kann sie empfinden, und er ist dazu, durch seine ganzeEinrichtung, verbunden. Die ganze Schöpfung ruft ihm zu: ihren Rei-zun gen seine Sinne und seine Vernunft zu eröffnen, für ihn strahlet dieMnrgenröthe der Frühlingstage über die bethauten Wiesen hin, — nichtfür den blinden Wurm, der unter der Erde kriecht. Sich an ihr belustigen,ist Pflicht, und von ihr zum Schöpfer geleitet werden, — Gottesdienst.Di r Freude über die Annehmlichkeiten der Natur war die erste Empfin-