gest. 1792.) Christian Kajus Lorenz Hirschfeld. 93
2. Das Sommerhaus.
§S giebt eine geheime Anlockung: einen Ort zu beschreiben, der, durchirgend ein Vergnügen, womit er uns beschenkt hat, in der Geschichte uns-rer Empfindungen merkwürdig geworden ist. Hier steht also ein kleinesGemälde unsers Sommerhauses, nicht der Ewigkeit sondern nur unsrerEmpfindung gewidmet.
Die angenehme und einsame Lage und die Bequemlichkeit mit der in-nern sorglosen Ausschmückung machen seine Schönheit und lassen keinenWunsch mehr nach Größe und Pracht übrig. Gelehnt an den Buseneines waldigen Berges, ruhet sie da, — die ländliche Wohnung und öffnetihre Fenster den Gegenden zu, wo die Sonne aufgeht, wo sie nieder sinkt,und wo die Nacht ihre kühlenden Schatten ausbreitet; ihre Zimmer stei-gen übereinander in einigen Absätzen immer schönern Aussichten entgegen.An den äußern Wänden kreuzen vertraulich die Zweige des Weinstocks unddes Pfirsichbaum'ö untereinander, und das Gewebe ihrer Blätter schütztsorgfältig die Seite, die den stärkern Strahlen ausgesetzt ist. Nah' blü-hende Linden streuen Wohlgeruch und wankende Schatten in die Gemä-cher hin, und, bei jedem Hauche der Weste, wallet an der Wand und ihrenGemälden ein sanftes Spiel des Lichtes und der Dämmerung auf und nie-der. Gleich vor dem Eingänge murmelt zwischen zwey jungen Laubeneine, immer lebendige, Quelle, die in ein Marmorbecken, von Liebesgöt-tern gehalten, herabfallend, einen sanftkühlenden, Thau versprengt; da in-dessen auf dem Dache ein friedfertiges Volk von Tauben scherzt, die oft,auf unser Locken, hcrabflattern sich unter dem, mitherbei eilenden, Feder-volk' des Hofes hervordrängt, um die Körner selbst aus unsern Händen zupicken. Und welche entzückende Gegend umher! — Auf der einen Seiteirret das Auge den, mit Gras' und Getraide bekleideten, Berg hinauf,der feinen bewohnten Rücken weit zwischen glücklichen Landhütten fort-streckt, und von dem tausend fröhlichen Stimmen der Vogel zu unsrerWohnung Herabtönen; auf allen übrigen Seiten fliegen die Blicke unauf-haltsam über die Wiesen, Felder, Dörfer, einzelne Häuser, Gärten, Land-häuser, Heerden, Tannenwälder, Thäler und Hügel fort; bis sie tief inder Ferne zwischen einigen Bergen- noch eine matt dämmernde Aussicht ge-winnen, — ein unermeßlich reicher Schauplatz der Vergnügungen für dieSinne und für die Einbildungskraft.
Bei allen diesen Annehmlichkeiten, blühet an unserm Sommerhaiaseein Garten, wo sich das Nützliche mit dem Schönen verbindet. Langstreckt er sich, mit seinen farbigen Blumenbeeten, zwischen deren belustigen-den Krümmungen hin und wieder ein springendes Gewässer mit silberhel-len Quellen sprudelt, und sich tiefer unten zu einem kleinen Fischteichesammelt, mit seinen schattigen Gängen, wo ein Chor von Nachtigallen zudem plätschernen Geräusche singt, mit seinen anmuthigen Rasenbänken und