Johann Benjamin Michaelis
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Johann Benjamin Michaelis,
geboren d. 31. Octbr. 1746/ gestorben d. 30. Septbr. 1772.
1. Die Ameise und die Grille.
Die Ameise:
Pfui, daß du deine Zeit mit Schwirren so verderbst!
Wie würd' eS uns ergeh»; wenn wir so müßig gingen? —Die Grille:
Ei, was? — im Sommer muß man fingen. —
Die Ameise:
So tanze denn, mit leerem Kröpf', im Herbst! —
2. Die Biene und die Laube.
Ein Bienchen trank und — fiel darüber in den Bach. —
Dies sah, voll Mitleid, eine TaubeUnd warf ein Blattchen von der Laube,
Auf der sie saß, ihm zu; mein Bienchen schwimmt danachUnd hilft fich glücklich wieder aus dem Bach'. —
Den andern Tag saß uns're Taube,
Zufrieden, wieder auf der'Laube. —
Ein Jäger hatte schon sein Rohr auf fie gespannt. —
Mein Bienchen kommt; — pick! — sticht's ihm in die Hand;
Puff! — fliegt der ganze Schuß daneben. —
Die Taub' entflieht und dankt nun auch der Bien' ihr Leben. —Erbarm't euch willig And'rer NothDu giebst dem Armen heut' Lein Brod;
Der Arme kann dir'S morgen geben.
3. Der gereis'te Gimpel.
Ein Gimpel kam von Reisen wiederUnd ließ fich in der Heimath schau'n;
Da überredet er die BrüderIhr Nest auf Dächern anzubau'n.
„Mich," — sprach er, — „hat in ferne» LändernDer Storche Bauart klug gemacht.
Wir müssen uns're Sitten anderngDenn sonst giebt Niemand auf uns Acht." —