gest. 1772.sl
Johann Benjamin Michaelis
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„Ihr Kenner/' — rief ein Dichterling,Dem Niemand Lob ertheilte, —
„Ach mache meine Verse stink;
Was mein't ihr; wenn ich feilte?" —
8. Die beiden Affen.
Auf einem dichtbewachs'nen Hügel,
Wo, von der strengen MittagSgluth,
Einst eine reisende Gesellschaft ausgeruht,
Seh'n unter einem Baum', zwey Affen einen Spiegel. —
HanS, der nicht wußte, was es war,
Besah den Fund an allen Orten. —
„Ei," - rief er endlich, — „das ist Motten;
Du bist getroffen auf ein Haar.
Sieh," rief er und sah sich im Glase, —
„Sieh' doch einmal.die stumpfe Nase,
Das haarige Gesicht! wie ähnlich! ha,
Leibhaftig, Bruder, stehst du da!" —
„„Ei, laß doch sehn!"" — sprach Motten; —„„Hans, wie kannst du lügen!Ist hier ein Zug von meinen Zügen?
Die Nas' ist platt', die Augen — klein;
Dein ganz' Gesicht stimmt überein.
Dies Bild, nach allem Recht', ist dein;
Doch, willst du mir's zum AngedenkenDer alten Freundschaft gütig schenken;
So nehm' ich'S dankbar an. Trennt dich der Tod von mir;
So hab' ich doch ein Bild von dir.— /
Was hilft eS, Thoren zu bekriegen? —
Der ärgste Thor sucht allemal,
Voll Wahn, zu seinen eig'nen ZügenEin brüderlich' Original.
So oft ich auf den Schauplatz wand're;
Hör' ich von Keinem: „das war ich." —
Ein Luchs ist Jeder gegen And're;
Ein Manlwurf aber gegen sich,
9. Die Stadt- und die Feldmaus.
'inst lud mit vielen Konwlimentcn
Ein Tepoich von durchwirkter SeideTrug stolz ein silbernes Servis,
Aus örtolanen, wilde EntenUnd hundert and're Leckerei'»
Die Stadtmaus eine Feldmaus ein.
Wo, bei der unbezahlten Freude,
Sich Wirth und Gast es schmecken ließ.