am iz.July.) Friedrich Adolph Krummacher.
1Z1
Der gute Vater drobenHat dir Lein Kleid gewoben;
Er schläft und schlummert nicht.So schlumm're denn in Frieden!
Der Vater weckt die Müde»,
Zu neuer Kraft und neuem Licht'!
Bald, bei des Lenzes Wehen,
Wirst du, verjüngt, erstehe»,
Zum Leben, wunderbar.
Sein Odem schwebt hernieder;
Dann, Erde, prangst du wiederMit einem Blumenkranz' im Haar.
8. Die Reue.
Ein Landmann hatte mit eiq'nen Händen eine Reihe ed'ler Obstbäumchengezogen. Zu seiner großen Freude, trugen sie die ersten Früchte, und erwar begierig zu seh'n, von welcher Art sie seyn milchten.
Da kam der Sohn des Nachbars, ein muthwilliger Bube, in denGarten und lockte das Söhnlein des Landmanns also, daß sie hingingenund die Bäumchcn insgesammt ihrer Früchte beraubten; ehe denn sie völliggereift waren. Als nun der Herr des Gartens herzutrat und die kahlenBäumchen erblickte; da war er sehr bekümmert und rief: „ach, warumhat man mir das gethan? böse Buben haben mir meine Freude verdor-ben. " — Diese Worte gingen dem Söhnleiu des LandmaunS sehr zu Her-zen, und er lief zu dem Sohne des Nachbars und sprach: „ach, meinVater ist bekümmert um die That, welche wir verübt haben; nun habe ichkeine Ruh' mehr in meinem Gemüth'; mein Vater wird mich nicht mehrlieben sondern mit Verachtung strafen, wie ich verdient habe.'' — Da ant-wortete Jener: „„du Thor, dein Vater weiß eS ja nicht und wird es nie-mals erfahren; du mußt es ihm sorgfältig verhehlen und nur auf deinerHuth seyn!"'' — Als aber Gotthold—, den» so hieß der Knabe, — zuHause kam und das freundliche Antlitz seines Vater sah; da vermochte ernicht wieder freundlich zu ihm aufzuseh'u; denn er dachte: „wie sollte ichihn fröhlich ansehen können, den ich betrübt habe? kann ich doch michselber nicht anblicken; es liegt mir wie ein dunkler Schatten in meinemHerzen." — Jyt trat der Vater herzu und reichte jeglichem seiner Kindervon den Früchten des Herbstes und Gotthold desgleichen. Da hüpften dieKindlein herbei und freuten sich sehr und aßen. Gotthold aber verbargsein Antlitz und weinte bitterlich.
I 2