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Friedrich Adolph Krummacher. »b.i?««.
Da hub der Vater an und sprach: „mein Kind, was weinst du?" — ^
Und Gotthold antwortete: „„ach, ich bin nicht werth, daß ick dein Sohn dl
heiße; ich kann es nicht länger tragen, daß ich vor dip ein And'rer er- ^
scheine, als ich bin und mich selber erkenne; lieber Vater, thue mir fernernicht Gutes sondern strafe mich, damit ich wieder zu dir kommen darfund aufhöre, mein eig'nec Quäler zu seyn! laß mich nur hart büßen für 'mein Vergehen! denn, siehe! ich habe die jungen Bäumchen beraubt."" —
Da reichte ihm.der Vater die Hand, drückte ihn an sein Herz und sprach:
„ich vergebe dir mein Kind! gebe Gott, daß dieses das erste und letzteMal sey, daß du Etwas zu verhehlen hast! dann soll es mir nicht leid seynum die Bäumchen."
9. Das Lanarienvögelchen.
Ein kleines Mädchen, Namens Karoline, hatte ein allerliebstes Kanarien- ^vögelchen. Das Thierchen sang vorn frühen Morgen bis an Leu Abendund war sehr schön, gelb mit schwarzem Häubchen. Korolins aber gab !ihm zu essen Saamen und kühlendes Kraut auch zuweilen ein StückchenZucker und täglich frisches klares Wasser. — Aber plötzlich begann das Vö-gelchen zu rrau'ren, und eines Morgens, als Koroline ihm Wasser bringensollte, lag es todt in dem Käficht. — Da erhob die Kleine ein lautesWehklagen um das geliebte Thier und weinte sehr. Die Mutter des Magd- .leinö aber ging hin. und kaufte ein aud'res, das noch schöner war an Far-ben und eben so schön sang wie jenes, und that's in den Käficht.
Allein das Mägdlein weinte noch lauter; als es das neue Vögelchen .sah. Da wunderte sich die Mutter sehr und sprach: „mein liebes Kind, />warum wein'st du den» noch und bist betrübt? deine Thränen werden das ^gestorb'ne Vögelchen nicht in das Leben rufen, und hier hast du ja einand'reS, das nichts schlechter ist denn jenes. — Da sprach daö Kind:„„ach, liebe Mutter, ich habe unrecht gegen das Thierchen gehandelt undnicht Alles an ihm gethan, Was ich sollte und konnte."" „Liebe Lina," —antwortete die Mutter, — „du hast sein so sorgfältig gepflegt."— „„Achnein!"" — erwiederte das Kind, — „„ich habe, noch kurz vor seinemTode, ein Stückchen Zucker, das du mir für dasselbe gabst, ihm nicht ge- ' hbracht sondern selbst aufgegessen.—
So sprach das Mädchen, mir betrübtem Herzen. — Die Mutter aberlächelte, nicht sicher die Klagen des Mädchens; denn sie erkannte wohl und 'verehrte die heilige Natur in dem Herzen des Kindes. — „Ach," — sagtesie, — „wie muß dem undankbaren Kinde zu Muth' seyn am ^Grabe seiner Eltern?" — z'