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Das Deutsche Buch : aus deutschen Musterschriften / nach der Zeitfolge geordnet von Friedrich Heyne
Entstehung
Seite
6
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Friedrich von Hagedorn

sgeb. 1703.

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2. Der Adler, die Sau und die Ratze.

^yranninn, die du Jung und Alt,

Mit unbeschränkter Macht, regierest,

Dich mit der weiblichen GestaltDer meisten Mvdelaster zierestUnd bald des Stolzes bald der ListAuch oft der Einfalt Zuflucht bist,

Vcrläumdung, deren Mund die Wahrheit selbst betäubet,. Der Mund, den Zucht und Unschuld scheut,

Dir sey zum ersten Mal' ein Blatt von mir geweiht,

Das itzt ein Meisterstück, das du vollführst, beschreibet!Es hatt' auf einem hohen Baum'

Der Vögel Königinn den Obersitz genommen.

Die Katze wählte sich der Eiche mittlern Raum;

Den untersten hatt' eine Sau bekommen.

Die hielten gute Nachbarschaft;

Durch Argwohn war noch nie die Eintracht unterbrochen;

Doch endlich trennte sie der Bosheit HLllenkraft.

Die Katze kam zum Adler hingekrochenUnd sprach:hör't unsrer Kinder Tod,

Wo nicht der unsere, doch, das zu unterscheide»,

Fällt Mutterheszen schwer, scheint gar nickt zu vermeiden.

Ein guter Freund warnt in der Noth.

Seh't, ach! ich bitte, seh't: wie wühlt die wilde Sau!

Sie gräbt und will den Baum ganz aus der Wurzel heben;Trau'; schaue: Wem! wie muß ich arme FrauAn unsern Kindern Das erlebe»?

Ihr kenn't nicht die Gefahr, mir aber mir ist bange;

Sobald die Eiche fällt, die schon beschädigt ist,

So seh' ich'S, wie das Schwein die lieben Kätzchen frißt,

Die ich, verlass'ncs Weib, noch voller Furcht umfange;

Ich bin den Lügen gram, ich suche keinen Zwist;

Nein ehrlich, ehrlich währet lauge."

Nachdem sie Das gesagt und mit verstelltem Sinn',

Den Argwohn hier erweckt, auf den ihr Reden zielte;

So schlich die schlaue Frau stracks zu der Bache hin,

Die unten ihre Wochen hielte.

Ach allerliebste Nachbarinn,

Euch ahnt's wol nimmermehr, warum ich traurig bin?

Die Kinder iammcrn mich, die eure Brüste saugen;

Man traue keinen Adleraugen!

Könn't ihr auch schweigen? geh t doch Acht;