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Friedrich von Hagedorn
legest. 1754-
Verwahr' ihn/ dir allein darf ich ihn überreichen/
Nimm ihn für mich in Acht! ich komme bald zurück.'' —
„„ES sey!"" versetzt Orchan, — „„mein Selim kann gebieten;Orchan wird jeden AugenblickDies Kleinod/ wie sein Auge hütheN/ —
Er, dein Getreuer bis ims Grab."" —
D rauf folgt ein Abschied'Skuß; der Reisende geht ab; —
Allein wo soll man Seelen finde»/
Die nicht auf Eigennutz die Hcuchlerdienste gründen?
Wo ist nicht Treu' und Glaube schwach? —
Die Lust: wann wir die Zeit ersehen/
Den Nächsten schlau zu hintergehen/
Schleicht Bösen aller Orten nach/
Den Christen in ihr Betgemach/
Den Muselmännern in Moscheen. —
Der frohe Selim kommt in Pcra wieder anUnd rennt/ sein Kleinod abzuhohlen/
Das er/ zu treuer Huth/ dem falsch'en Freund' empfohlen;
Der aber lacht und spricht: „ist Selim nicht ein Mann/
Der unvergleichlich scherzen kann!" —
„„Was? — Scherzen? — Gab ich nicht"" — „Ja/ weil ich'S rühmen soll/Du gabst mir einen Kuß: der war recht freundschaftSvoll." —
„„Wo ist mein Diamant"" — „Dein Diamant? — dir träumt." —„„Hier find nicht viele Reden nöthig.
Fort! — mit zum Kadi! ungesäumt!"" —
»I«/ l»/ mein Herr/ ich bin'ö erbötig." —
Sie eilen zum Ben Haly hin;
So war des Kadi Nam' und in des Sultan s ReichenWar ihm an Billigkeit kein Kadi zu vergleichen;
Dafern ich recht berichtet bin.
Der arme Selim sucht dem Richter seine KlagenMit vielen Worten vorzutragen;
Er denkt: ein langer Satz scheint manchem Richter schön;
Orchan lärmt zehnmal mehr; dem Kläger fehlen Zeugen;
Er giebt zum Ostern zu versteh'» --Bei einem Baume sey's gescheh'n;
Das hilft ihm wenig; — Bäume schweigen. —
„Bei'm Allah!" schwört Orchan; — der Kläger schwatzt im Traum'/Ich kenne Beide nicht: kein Kleinod/ keinen Baum." —
„„Hört!"" — spricht der Kadi d'rauf; — „„hier ist noch kein Beweis;Kennt Selim noch den Baum?" " — „ „Wie sollt' ich den nicht kennen?" " —„„Verziehe nicht/ dahin zu renne»/
Und hohle mir sofort ein Reis!" —