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Das Deutsche Buch : aus deutschen Musterschriften / nach der Zeitfolge geordnet von Friedrich Heyne
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Friedrich von Hagedorn.

legest. 1754.

Es hatte Suliman die Beyen, Aga's, Baffen,

Des ganzen Hofstaat's Zug, im schnellen Ritt', verlassen,

Ihm folgte der Vezier; weil es sein Herr befahl,

Und Beide kamen an in ein geweihtes Thal,

Wo noch zu Oömanns Zeit ein alter Santon wohnte,

Abdallah, der Prophet, in dem die Weisheit thronte,

Dcö Osmars großer Sohn, ein Haupt der frommen Schaar,

Der, TodeSengel Freund, Azraels Liebling war,

Der, fast wie Mahomed, die sieben Himmel kannte,

Und den ganz Asten vor Vielen heilig nannte.

Sie wuschen sich allhier Gesicht und Arm und Hand,

Nach Art des Muselmann s, mit dürrem, reinem Sand'

Und ehrten, andachtvoll, an der geweihten StätteAbdallah'6 hohen Ruhm mit eifrigem Gebete.

D'rauf hebt sich ein Gespräch von dessen Wundern an.

Da lächelt der Vezier und spricht zum Suliman;

»Ich habe, großer Held, bereits vor vielen Jahren,

Die schwerste Wissenschaft des Orient'S erfahren."

Und welche?""Die vielleicht kein Jmam eingesehn,

Kein Mufti lehren kann: die Vögel zu versteh::.

Der Schwanen Sterbebild, was Staar und Älster schwatzen,

> Der Ad'ler heisern Ruf, die Straußen und die Spatzen,

DeS Pelikan's Geschrey, selbst des Humai Stimm',

O Herr der Könige, versteht dein Ibrahim.

Ein DerviS hat mir dies zu Bagdad einst entdecket,

In dem Abdallah's G-ist und Kraft zu Wundern stecket;

Der kennt den Alkoran und der besitzt dabeiDie, etwas schwarze, Kunst der Kabalisterei.

Die Probe fällt mir leicht, und die soll nimmer trügen."

Der Sultan HLrt dies «n, mit innigem VergnügenUnd kehrt bei Nacht zurück; als ihn Diana's ScheinZwey Eulen sehen läßt, die unaufhörlich schrey'n.

Auf,"" ruft er,Ibrahim, du wirst dich zeigen müssen;Was giebtS? waö wollen die? ich muß es Alles wissen.'"'Der Großvezier gehorcht und thut, als gäb' er Acht,

Zu forschen, Was allhier die Böget schwatzen macht,

Und endlich kommt er schnell, wie höchst bestürzt, zurücke;

»O," spricht er,daß dein Reich, Herr, Mahomet beglücke!Ich küß' inr tiefen Staub' hier deines Rockes Saum;

Nur gieb, dein Azem fleht, gieb einer Bitte Raum!

Veränd're das Gebot! will ihm dein Wink befehlen;

So sey es: Was er hört, dir ewig zu verhehlenUnd".Was du itzt gehört, soll mir verborgen seyn?