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Das Deutsche Buch : aus deutschen Musterschriften / nach der Zeitfolge geordnet von Friedrich Heyne
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MagnuS Gottfried Lichtwer<

»st. 1783

2. Der Fuchs und der Adler.

Es lebt' aus ReinekenS GeschlechteEin jung' und eit'ler Abkömmling,

Der oft, mit mehrer'm Glück als Rechte,

Der schnellen Hunde Spur entging.

Der lag nun da vor seinem Loche,

Und lachte bey sich der Gefahr,

Der er noch in vergang'ner Woche,'

Durch einen Sprung, entronnen war.

Sag't," rief er,Höfe, Wiesen, Ställe,

Ihr Zeugen meiner Tapferkeit,

Wer stiehlt wie ich? Wer sieht so helle?

Wer läuft so schnell? Wer riecht so weit?''

Vertieft in solchen Wunderdingen,

Bemerkt' er eines Adlers Flug:

Wie ihn, mit ausgestreckten Schwingen,

Das stille Meer der Lüfte trug.

O, könnt' ich fliegen wie die Vögel;

Den Neid", erseufzt er,macht' ich stumm,Euch aber kahl, ihr Bauernflegel;

Mit Lust gäb ich ein Ohr darum."

Jht legt ein Schuß den Adler nieder.

Der Fuchs nimmt es, mit Schrecken, wahr.

Zu fliegen wünscht er nimmer wieder.

Je höher Stand, je mehr Gefahr.

Z. Der kleine Löffel.

(>

<)n einem großen Dorf', das an die Mulde stieß,

Starb Bauer Grolms. Die Wittwe schloß der Ehen zweyte,In der ein Knabe sie erfreute,

Den man den kleinen Töffel hieß.

Sechs Sommer sind vorbei; als es im Dorfe brannte;

Der Knabe war damals gerade sechzehn Jahr;

Da man, wie wohl er schon ein großer Junge war,

Ihn noch den kleinen Töffel nannte.

Nunmehr drosch Töffel auch mit in der Scheune Korn,

Fuhr selber in das Holz; da trat er einen Dorn