gest. 1803.^1
Joh. Wilh. Ludw. Gleim.
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10. Der Streit der Bienen.
(V:
<>n eitlem Bienenstock, entspann sich einst ein StreitDer bürgerlichen Eitelkeit, —
Mit einem Wort'! — ein Streit der Ehre:
Wer ed'ker —, Wer unedler wäre. —
„Oh," — rief die stachlige Parthei, —
„Was braucht es, lange da zu fragen:
Wer besser oder schlechter sey? —
Wir,, die wir in den warmen TagenDie Höschen in die Zellen tragen,
Und stets mit Kunst gcschäfftig sind,
Daß unser Nest von Honig' rinnt, —
Wer sieht es nicht, daß wir die Besser'» sind? —
Was also braucht es noch, zu fragen?" —
„„So?"" — sielen hier die andern ein, —
„„Wo wird denn euer Honig seyn;
Wofern nicht wir das Wasser künstlich tragen? —
Daß euer Stachel uns gebricht, —
Dies schadet unserm Werthe nicht.
Genug! — Laß wir das Amt getreu verwalten,
Wozu der Staat uns für geschickt gehalten.
So niedrig unsre Pflicht euch scheint;
So soll euch doch der Auegang lehren,
Daß wir, mit euch zugleich vereint,
Dem ganzen Staate angehören."" —
Sie trugen d'rauf kein Wasser mehr. —
Nun mußten, die den Honig machten,
Flieh'» oder in der Brüt verschmachten, —
Und viele Zellen wurden leer. —
Der Weiser rief den Nest der Unterthanen,
Um sie zur Eintracht zu ermähnen.
„Der Unterschied in eurer PflichtErzeugt," — sprach er, — „den Vorzug nicht;
Nur, die dem Staat' am Treusten dienen, —Die sind allein die besser'» Bienen." —