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Das Deutsche Buch : aus deutschen Musterschriften / nach der Zeitfolge geordnet von Friedrich Heyne
Entstehung
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59
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gest. 1803.^1

Joh. Wilh. Ludw. Gleim.

59

10. Der Streit der Bienen.

(V:

<>n eitlem Bienenstock, entspann sich einst ein StreitDer bürgerlichen Eitelkeit,

Mit einem Wort'! ein Streit der Ehre:

Wer ed'ker, Wer unedler wäre.

Oh," rief die stachlige Parthei,

Was braucht es, lange da zu fragen:

Wer besser oder schlechter sey?

Wir,, die wir in den warmen TagenDie Höschen in die Zellen tragen,

Und stets mit Kunst gcschäfftig sind,

Daß unser Nest von Honig' rinnt,

Wer sieht es nicht, daß wir die Besser'» sind?

Was also braucht es noch, zu fragen?"

So?"" sielen hier die andern ein,

Wo wird denn euer Honig seyn;

Wofern nicht wir das Wasser künstlich tragen?

Daß euer Stachel uns gebricht,

Dies schadet unserm Werthe nicht.

Genug! Laß wir das Amt getreu verwalten,

Wozu der Staat uns für geschickt gehalten.

So niedrig unsre Pflicht euch scheint;

So soll euch doch der Auegang lehren,

Daß wir, mit euch zugleich vereint,

Dem ganzen Staate angehören.""

Sie trugen d'rauf kein Wasser mehr.

Nun mußten, die den Honig machten,

Flieh'» oder in der Brüt verschmachten,

Und viele Zellen wurden leer.

Der Weiser rief den Nest der Unterthanen,

Um sie zur Eintracht zu ermähnen.

Der Unterschied in eurer PflichtErzeugt," sprach er,den Vorzug nicht;

Nur, die dem Staat' am Treusten dienen,Die sind allein die besser'» Bienen."