108
Gottlieb Konrad Pfeffel.
sgeb. 17ZS.
10. Die beiden Pferde.
3ween Klepper aus der Barbarey
Die selbst den Rabican im Lauf' erreichet hätten,
Erriethen einst in Streit; ein jeder wollte wetten.
Daß er der schnell'ste Renner sey.
„Wir wollen uns darum nicht raufen,"
Sprach Meister Fuchs, „der weite Raum
Von hier bis dort zu jenem Baum
Sey unser Ziel; nach diesem laß uns laufen!"
„„Gut/'" sprach der Schimmel, „,-gut; in Kurzem sollst du seh'n,Was Unser Einer kann."" Ein Hufschlag gab das Zeichen. —
Kein Bolzen kann so schnell die Lust durchstreichenFortuna's Rad kann sich nicht schneller dreh'»,
Als unsre Kämpfer nach dem Ziele stiegen.
Bedeckt mit Staub und weißem Schaum',
Erreichen sie zu gleicher Zeit den Baum.
Hier stand der Schweißfnchs stille. „„Ich will siegen,""
Rief ihm der Schimmel zu. sprang über einen Rain,
Der zehn Fuß weiter lag, dann über ein Paar Hecken;
Hier glitt er aus und brach ein Bein.
„Freund," sprach der Fuchs zum armen Gecken,
„Wer zu weit springen will, kann leicht zu Grunde gch'n;
Ich lobe mir die Kunst, am Ziele still zu steh'n."
11. Die wünsche des Esels.
„ mit dem Lenz' und seinen Gal
Was bringt er mir für Dortbeil ein,
Als täglich in die Stadt zu trabenUnd Flora's Botenknecht zu seyn!
Laß, Zevs, die Rosen und die NelkenUnd die Narzissen doch verwelkenUnd sende bald, zu meinem Glück',
Des Sommer's gold'ne Zeit zurück!"
So rief an jedem FrühlingsmorgenEin Esel, der mir einer FahrtDon Blumen abgefertigt ward,
Die Stadt mit Strausern zu versorgen.
Der Sommer kam. Nun ward das ThierMit Schoten, Kirschen, ZuckerrübenUnd Artischocken ausgetrieben.
„Sh," seufzte Grauchen, „wehe mir!
Vor Hitze muß ich bald verschmachten,
Und dennoch legt man größ're FrachtenI» meinen Kobcr als vorhin.
Ach war's doch Herbst!" Der Herbst erschien,Und Grauchen wird mit Aevfeln, Nüssen,Kartoffeln, Quitten so bepackt,
>! Daß ihm der dürre Rückgrat!,' knackt.
Von Gram' und Aerger hingerissen,
Ries nun das Thier: ,,be»m Element!
Ich glaube Zevs hak mich zum Narren."
Doch die Geduld, sein ErbtalentBehielt den Sieg. „Ich will noch harren,"Sprach es, „bald ist der Winter da;
Dann giebt es Ferien; c» ja!
Ei! ja! wenn's nur erst Winter wäre!" —Der kommt; — schon deckt die HemisphäreSein Schwanenrvck, und Langohr mußIn den erwünschten Ruhetage», '
Bei Sturm' und Frost', mit schmachem' Fuß,Bald Holz, bald Mist, bald Steine tragen.Nun übernahm ihn der Verdruß;
Er starb, doch ohne Wunsch und Klagen.
» * »
Recht so. Was half sein Weh und Ach? 'DaS Leben ist ein Tausch von Plagen,lind selten kommt WaS Desser's nach.
Doch würd' es nur ein Esel wagen,
Dies Sprichwort immer laut zu sagen.